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Arbeiten 4.0: Studenten schlecht vorbereitet

Arbeiten 4.0: Studenten werden schlecht vorbereitet

Foto: Sane (Own work) – Wikimedia Commons – CC-BY-SA-3.0

Der akademischen Berufswelt stehen große Veränderungen bevor: Die Digitalisierung greift um sich und hat den Großteil der Arbeitswelt schon erobert. Arbeiten 4.0 beeinflusst jedoch nicht nur technische Berufe, sondern auch andere, eher technikferne Tätigkeiten, bei denen es unter anderem um die Analyse, Sammlung, Recherche, Aufbereitung und Bereitstellung von Daten geht.

Auch hier wird immer mehr automatisiert. Akademische Tätigkeiten werden sich also zukünftig eher in Richtung Konzeption, Kontrolle und Bewertung von automatisierten Analysen verlagern.

Die Experten der Zukunft scheinen an den Hochschulen aber aktuell (noch) nicht ausreichend auf die Anforderungen einer digitalen Arbeitswelt vorbereitet zu werden: Das zumindest ist das Ergebnis des aktuellen „Hochschul-Bildungs-Reports 2020“, einer Studie des Stifterverbands und der Unternehmens- und Strategieberatung McKinsey & Company.

Arbeiten 4.0: Praxiserfahrung und Sprachkenntnisse gefordert

Arbeiten 4.0: Studenten werden schlecht vorbereitet

Quelle: Hochschul-Bildungs-Report 2016

Der Report basiert unter anderem auf einer repräsentativen Umfrage unter 300 Unternehmen in Deutschland. 75 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Verwaltungstätigkeiten automatisiert werden, 39 Prozent rechnen mit dem Wegfall akademischer Berufe und deren Ersatz durch Maschinen.

McKinsey-Seniorpartner Jürgen Schröder dagegen ist der Auffassung, dass sich die meisten akademischen Berufsbilder durch die digitalen Innovationen lediglich verändern werden – nicht aber unbedingt alle wegfallen. Daraus schließt er: „Akademiker benötigen mehr und tiefergehende digitale Kompetenzen als bisher, beispielsweise in der Auswertung von Statistiken oder in der digitalen Analyse und Beurteilung großer Datenmengen.“

Wie die Befragung zeigt, fordern Unternehmen solche digitalen Kompetenzen im Lebenslauf immer häufiger ein. Praxiserfahrung und weitreichende Sprachkenntnisse sind ebenfalls sehr gefragt – im Gegensatz zum Ruf einer Hochschule oder dem Notendurchschnitt. „Die meisten großen Arbeitgeber suchen Talente mit den relevanten digitalen Fähigkeiten bereits auch international, damit der knappe Talentpool für sie breiter wird“, kommentiert Solveigh Hieronimus, McKinsey-Partnerin und internationale Arbeitsmarktexpertin, die aktuelle Ergebnisse.

Nachholbedarf bei „digitaler Kompetenz“

Arbeiten 4.0: Studenten werden schlecht vorbereitet

Quelle: Hochschul-Bildungs-Report 2016

In der deutschen Hochschullandschaft scheint es in puncto „digitale Kompetenz“ noch Nachholbedarf zu geben. „Unsere Hochschulen bereiten Akademiker nicht ausreichend auf die Arbeitswelt 4.0 vor“, stellt Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbands, fest.

Viele Universitäten fragen sich aber auch zusehends, wie sie die heutigen Studierenden mit einer oftmals veralteten technischen Infrastruktur auf Arbeiten 4.0 vorbereiten sollen. Vor allem an praktischer Erfahrung mangele es vielen jungen Akademikern von heute.

Hochschulen sollten laut Meinung der Experten ihren Studierenden daher mehr Wahlmöglichkeiten und Raum für individuelle Schwerpunkte bieten. Dazu gehöre unter anderem ein einführendes Kompetenzcoaching, das Studierende bei der Wahl von Modulen unterstützt. Erste Versuche würden aktuell beispielsweise an der Leuphana Universität in Lüneburg oder der Technischen Universität Hamburg-Harburg gewagt.

Interaktive und mobile Lehrformate erwünscht

Zu mehr Individualität und Praxisorientierung während des Studiums würde zum Beispiel auch eine flexible Wahl der Lernorte beitragen: Meyer-Guckel zufolge sollten Universitäten deshalb künftig stärker mit anderen Hochschulen, Berufsschulen, privaten Bildungsanbietern und Unternehmen zusammenarbeiten.

Auch die Didaktik der Hochschulen müsse sich an die neuen Anforderungen der Arbeitswelt 4.0 anpassen, so Meyer-Guckel: „Wir müssen weg vom konsumierenden, hin zu einem aktiven, kreierenden und auch forschenden Lernen.“ Interaktive Lernformate wie das „Blended Learning“, das verschiedene Medien und Methoden wie Präsenzunterricht und E-Learning kombiniert, nannte er als Paradebeispiele für eine gelungene Umsetzung.

Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Thesen der Studie noch einmal zusammen:

Arbeiten 4.0: Studenten werden schlecht vorbereitet

Quelle: Hochschul-Bildungs-Report 2016

 

Den „Hochschul-Bildungs-Report“ und das gesamte zu Grunde liegende Datenmaterial stehen unter www.hochschulbildungsreport2020.de zum Download bereit.