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Arbeitsmarkt für Ingenieure: Frauen und ausländische Studenten für Technik begeistern

Ellen Walther Klaus, Geschäftsführerin von MINT Zukunft schaffen e.V.

Dr. Ellen Walther Klaus, Geschäftsführerin von MINT Zukunft schaffen e.V.

Der Fachkräftemangel ist in aller Munde, insbesondere im Ingenieurumfeld. Die Initiative „MINT Zukunft schaffen“ hat sich das Ziel gesetzt, dieser Entwicklung frühzeitig entgegenzusteuern und insbesondere die Ausbildung in technischen Fächern zu stärken.

Dr. Ellen Walther Klaus, Geschäftsführerin von „MINT Zukunft schaffen“ erklärt, wie dies erreicht werden soll und warum gerade die Förderung junger Frauen hierbei eine Schlüsselrolle spielt.

Frau Walther-Klaus, in Deutschland fehlen derzeit laut VDI-/IW-Ingenieurmonitor über 60.000 Ingenieure. Bedeutet dies, dass jeder frischgebackene Ingenieur automatisch seinen Traumjob bekommt?

Rein rechnerisch betrachtet ja, aber natürlich müssen die offenen Stellenprofile zu den jungen Ingenieuren passen, die Frage nach dem Einstellungsort spielt eine Rolle und man kann einen Maschinenbauer in Baden-Württemberg nicht so ohne Weiteres auf eine offene Stelle eines Elektro-Ingenieurs nach Brandenburg setzen.

Allerdings sind MINT-Berufe und -Studiengänge, von den Zukunftsaussichten und Gehältern her gesehen, attraktiver denn je. Auch und besonders für junge Frauen. Gerade im MINT-Bereich gibt es hervorragende berufliche Karrieremöglichkeiten mit anspruchsvollen Herausforderungen und abwechslungsreichen Einsatzmöglichkeiten in allen Branchen. MINT-Absolventen und -Absolventinnen schätzen ihre Beschäftigungssicherheit deutlich höher ein als sonstige Akademiker, haben gute Einkommensperspektiven und erfahren hohe persönliche Autonomie.

Ihre Initiative „MINT Zukunft schaffen“ hat sich das Ziel gesetzt, hier Abhilfe zu schaffen und die Absolventenzahlen im technischen Bereich zu erhöhen. Wie wollen Sie das erreichen?

Der Schlüssel zu mehr MINT-Absolventen liegt in den Schulen, deshalb unterstützen wir mit Hilfe unserer bundesweiten Partner die Schulen, die einen MINT-Schwerpunkt setzen wollen. Die Auszeichnung „MINT-freundliche Schule“ unter der Schirmherrschaft der Kultusministerkonferenz ist hierfür ein Ansporn. Außerdem unterstützen wir mit unseren 12.000 MINT-Botschaftern diese Schulen in ihrem Engagement. Sie sollen als authentische Rollenvorbilder die MINT-Berufsperspektiven plastisch schildern und helfen später als Mentoren in Studium und Berufsausbildung beim „Durchhalten“ helfen.

Auch 2013 ist der Arbeitsmarkt für Ingenieure noch immer eine Männerbastion. Wie erklären Sie dies, wo doch heute die Jobaussichten im MINT-Umfeld so gut sind wie nie zuvor?

Gerade jungen Frauen bietet »MINT« exzellente Zukunfts- und Aufstiegschancen, sie nutzen sie nur noch nicht genug. So studieren gerade mal 22 Prozent junge Frauen Ingenieurwissenschaften. Wir müssen weg von einem Klima, das in Elternhaus, Schule und sozialem Umfeld Frauen von diesen Erfolg versprechenden Wegen abhält. Unser Ziel ist es, die Quote der Frauen in MINT-Berufen auf die 40-Prozent-Marke hinzuentwickeln, denn wir brauchen die gut ausgebildeten Frauen – nicht nur in der Spitze der Arbeitswelt, sondern auch in der Breite.

Was können Unternehmen tun, um mehr geeignete Ingenieurinnen und Ingenieure, Technikerinnen und Techniker zu gewinnen?

Sie könnten sich beispielsweise – neben den Frauen – für eine weitere Personengruppe mehr engagieren: Warum versuchen wir denn nicht verstärkt, mit einer vernünftigen Willkommenskultur ausländische Studenten nach dem Studium in unserem Land zu halten? Ihr Anteil an den Studierenden beträgt immerhin zehn Prozent, und hiervon studiert fast die Hälfte MINT-Fächer! Noch immer lassen wir achtzig Prozent dieser gut ausgebildeten Menschen gehen – nicht etwa in ihre Heimatländer, sondern in Länder, die mit guten Perspektiven werben, und diese jungen Menschen auf die richtige Weise willkommen heißen.

Podiumsdiskussion auf der HANNOVER MESSE

hannover-messeSie interessieren sich dafür, ob Bildung, Arbeitgeber und Politik die richtigen Weichen für MINT stellen? Auf der Bühne von job and career in Halle 3 der weltgrößten Industriemesse diskutiert morgen, 10. April, ab 14:15 Uhr eine prominent besetzte Runde genau dieses Thema. Mit dabei sind unter anderem der ehemalige Telekom-Personalvorstand und Vorsitzende von „MINT Zukunft schaffen“ Thomas Sattelberger, Wolfgang Goos, Hauptgeschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbands Chemie, Holger Blannarsch, Leiter Personal bei K+S,  Eckehard Schulz, Vereinsgeschäftsführer Interdisziplinärer Forschungsverbund Bahntechnik, sowie Dr. Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen.

Mehr Infomationen zu den Teilnehmern sowie eine erste inhaltliche Einordnung des Diskussionsthemas finden Sie hier.

Die Initiative „MINT Zukunft schaffen“

Logo Mint Altversion„MINT Zukunft schaffen“ ist eine gemeinnützige Bildungsinitiative der deutschen Wirtschaft mit dem Ziel, die MINT-Bildung zu stärken und der Fachkräftelücke entgegen zu wirken. Gemeinsam mit ihren Partnern wirbt die Initiative unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel für mehr und bessere MINT-Bildung, Ausbildungsberufe und Studiengänge und zeigt die Zusammenhänge zwischen dem persönlichen Erfolg von Menschen in MINT und dem Wohlstand unseres Landes auf.

Click to tweet: Im Interview: Dr. Ellen Walther-Klaus von MINT Zukunft schaffen über #Ingenieur-Arbeitsmarkt: http://bit.ly/R2u521  #jobandcareer #HM14

1 Kommentar

  1. Warum denn? Damit Frauen, oder besser migrantische Frauen dann doch keine Stelle bekommen. Die harte Realität sieht leider ganz anders aus. In MINT-Berufen hat man als Frau besser gesagt als migrantische Frau Chancen gegen Null um den Berufseinstieg zu bekommen. Je besser man qualifiziert ist, desto schwieriger wird das auch noch.

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