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Digitalisierung: Veränderungen und Konsequenzen für die Automobilbranche

Digitalisierung: Veränderungen und Konsequenzen für die Automobilbranche

Foto: pixabay.com

Die Digitalisierung prägt bereits heute die Arbeitswelt in der Automobilbranche – der Innovationsdruck im Zuge der Digitalisierung hat deutlich zugenommen. In Folge müssen sich die Fachbereiche bei Automobilherstellern und -zulieferern immer häufiger mit neuen Themen auseinandersetzen.

Dadurch ändern sich laut einer Studie von Hays und Pierre Audoin Consultants (PAC) GmbH auch die Job- und Anforderungsprofile der Mitarbeiter, die immer vielfältigere und komplexere Aufgabenstellungen softwaregestützt eigenverantwortlich bearbeiten sollen.

Für die Studie zu „Automotive im digitalen Wandel“ befragte Hays in Zusammenarbeit mit PAC mehr als 100 Führungskräfte zu aktuell anstehenden Veränderungen im Rahmen der Digitalisierung in der Automobilbranche. Dabei konzentrierten sich die Fragen im Besonderen auf die Rekrutierung neuer Mitarbeiter, die Entwicklung und Anforderungen der erforderlichen Kompetenzen sowie zu den Strategien zur Deckung des Kompetenzbedarfs.

In der Mehrheit der Unternehmen beschäftigen sich die Mitarbeiter bereits zu mehr als 20 Prozent ihrer Arbeitszeit mit digitalen Themen – Tendenz weiter steigend. Mitarbeiter arbeiten heute in sehr aktiven Umgebungen und sind oft in mehrere Projektteams gleichzeitig involviert. Diese Entwicklung wird zusätzlich noch verstärkt durch den fortschreitenden Digitalisierungstrend, in dessen Folge Hardwarekomponenten durch Software sowie klassische Produkte durch Services ergänzt beziehungsweise ersetzt werden, so die Experten.

Die Digitalisierung bietet nicht nur neue Möglichkeiten für die Produktentwicklung, sondern fördert auch die Optimierung und Automatisierung der betrieblichen Abläufe. Besonders die Automobilzulieferer fühlen sich im Zuge der Digitalisierung zunächst gefordert, Planungs-, Steuerungs-, Dokumentations- oder Logistikprozesse stärker softwarebasiert abzubilden.

Generalisten statt Spezialisten

Die Deckung des geänderten Bedarfs an Kompetenzen wird zur Kernherausforderung, da es den Unternehmen in der Automobilbranche immer schwerer fällt, die zur Bearbeitung der neuen Themen notwendigen Kompetenzen intern aufzubauen und entsprechende Experten extern zu rekrutieren.

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Wenn Arbeitgeber der Automobilbranche die neuen Themen erfolgreich bewältigen wollen, müssen sie nach Erkenntnissen der Studie herkömmliche Organisations- und Denkstrukturen aufbrechen. Für den internen Kompetenzaufbau setzen Automobilunternehmen dabei auf Generalisten mit branchen- und themenübergreifender Erfahrung statt Spezialisten. Auch wird immer noch bevorzugt nach erfahrenen und prozessorientierten Mitarbeitern gesucht, wobei junge, kreative Absolventen durchaus eine gute Chance haben, sich schnell zu etablieren.

Digitalisierung: Veränderungen und Konsequenzen für die Automobilbranche

Quelle: Hays

Mitarbeitern und Bewerbern fehlen wichtige Eigenschaften

Mitarbeiter sind auf den geforderten Wandel wenig vorbereitet und somit auch nicht ausreichend in der Lage, die von den Führungskräften vorgegebenen Topanforderungen zu erfüllen, lassen die Umfrageergebnisse erkennen. Zudem vermissen Vorgesetzte die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme sowie die Eigenständigkeit, was kaum verwundern dürfte: Ein Großteil der heutigen Mitarbeiter in der Automobilbranche musste sich in starren Hierarchien und rigiden Prozessen unterordnen. Dies wird teilweise auch noch so erwartet, denn viele Führungskräfte legen bei der Auswahl der Mitarbeiter noch einen überdurchschnittlich hohen Wert auf die Prozessorientierung.

Digitalisierung: Veränderungen und Konsequenzen für die Automobilbranche

Quelle: Hays

Auch bei den Bewerbern werden wichtige Eigenschaften vermisst, was am traditionellen Image der Automobilindustrie liegen mag: Bewerber, die Wert auf selbstständiges, kreatives und eigenverantwortliches Arbeiten legen, bewerben sich nicht zwingend in Großunternehmen.

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Quelle: Hays

Bei der Entwicklung der geforderten Kompetenzen ist die Unterstützung von Hochschulen gefragt, sind die Befragten überzeugt. Sie sind schon auf einem guten Weg, aber die Herausforderung können sie alleine nicht lösen. Unternehmen müssen selbst aktiv werden. Zumeist werden hier Inhouse-Trainings, Workshops und andere Bildungsangebote eingesetzt. Diese können aber nur zum gewünschten Erfolg führen, wenn zudem das technische, organisatorische und kulturelle Umfeld eine effektive Umsetzung der neuen Themen begünstigt.

Mitarbeiter, die im Zuge der Digitalisierung eigenständiger arbeiten und Entscheidungen eigenverantwortlicher treffen sollen, benötigen moderne Arbeitsplatz- und Kommunikationstechnologien, um Zugang zu entsprechenden Informations- und Austauschsystemen zu erhalten, fordern Experten.

Um den Kompetenztransfer innerhalb des Unternehmens stärker zu fördern, sind außerdem flachere Hierarchien und durchlässigere Organisationsformen, der Ausbau von Projektarbeit anstelle von formalen Prozessen sowie die Förderung von gemischten Teams, das heißt eigene und externe Mitarbeiter, notwendig.

Externe Spezialisten für strategische Partnerschaften

Externe Fachkräfte spielen für Automobilunternehmen im digitalen Kontext ebenfalls eine wichtige Rolle, weil sie durch ihre Erfahrung helfen, über den Tellerrand zu schauen: Für 37 Prozent sind sie wichtige Unterstützer, für 16 Prozent strategische Berater und für 11 Prozent gar Innovationstreiber oder Ideengeber. Tatsächlich erwarten sich die Unternehmen von den Freiberuflern genau jene Eigenschaften, die sie bei ihren Festangestellten und den Bewerbern häufig vermissen – nämlich Flexibilität, Eigenständigkeit, Verantwortungsbereitschaft und Kreativität.

Hier besteht der Wunsch nach strategischen, längerfristigen Partnerschaften mit externen Spezialisten statt Ad-hoc-Beauftragungen – wobei dies nur als ergänzender Lösungsansatz gilt. Primär setzen die Führungskräfte auf eine gezielte Aufstockung des eigenen Personals, möchten diese jedoch durch Auf- bzw. Ausbau flexibler Beschäftigungsverhältnisse mit externen Dienstleistern ergänzen.