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Beliebteste Arbeitgeber: Wirtschaftswissenschaftler sehen Autobauer trotz Krise vorn

Beliebteste Arbeitgeber: Wirtschaftswissenschaftler sehen Autobauer trotz Krise vorn

Fotos: Pixabay.com

Frühjahrszeit ist Ranglistenzeit: Die ersten Studien über die beliebtesten „dies“ und die beliebtesten „das“ überfluten Online- und Printmedien gleichermaßen. Da uns diese Rankings aber nicht nur über Platzierungen aufklären, sondern vor allem Aufschluss über wirtschaftliche Trends und Phänomene geben, nehmen auch wir uns dieser Thematik gerne an – in diesem Fall den beliebtesten Arbeitgebern unter den Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaftlern.

Welcher Arbeitgeber zieht 2016 die Wirtschaftselite von morgen magisch an? Der „Universum Student Survey 2016“ hat Studierende zu ihren Wunscharbeitgebern befragt. Stefan Lake, Country Manager Deutschland beim internationalen Forschungs- und Beratungsunternehmen Universum“, hat uns einen Einblick in die Ergebnisse gegeben.

Herr Lake, auf welcher statistischen Grundlage basieren die Universum Student Survey- Ergebnisse für das Jahr 2016?

Für die Universum Student Survey 2016 wurden zwischen Oktober 2015 und März 2016 insgesamt 45 114 Studierende in 138 Studienbereichen an 211 Hochschulen in Deutschland befragt. Die meisten der Befragten sind angehende Wirtschaftswissenschaftler (34 Prozent) und Ingenieure (21 Prozent). Etwa zehn Prozent der Befragten sind Naturwissenschaftler und sieben Prozent studieren Informatik. Außerdem haben auch Studierende der geistes- und rechtswissenschaftlichen Fachbereiche sowie aus dem Fachbereich Gesundheit/Medizin an der Umfrage teilgenommen. Wir haben die Studierenden nach ihrer Einschätzung von Unternehmen als Arbeitgeber, ihren langfristigen Karrierezielen und zu weiteren Themen rund um Beruf und Karriere befragt.

Wer sind die Gewinner der Studie?

Die Automobilhersteller sind für die Studierenden der Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften weiterhin die attraktivsten Arbeitgeber. Wie im Vorjahr liegen Audi, BMW, Porsche und Daimler/Mercedes-Benz auf den ersten Plätzen.

Für die Nachwuchsökonomen sind auch die Unternehmens- und Strategieberatungen weiterhin attraktiv. So kann zum Beispiel McKinsey den im Vorjahr errungenen achten Platz halten und PwC (PricewaterhouseCoopers) rückt um eine Position vor, sodass sie nun den zwölften Platz einnimmt. Den größten Sprung nach vorn innerhalb der Top 50 macht Deloitte, das sich um 13 Positionen nach vorn schieben kann und nun auf Platz 26 liegt. Das ist bemerkenswert, denn Deloitte konnte sich schon im Vorjahr um 14 Positionen verbessern. Das zeigt, dass es Deloitte gelungen ist, den jungen Talenten erfolgreich zu vermitteln, was das ganz besondere des Unternehmens ausmacht. Auch bei den Informatikern und den Naturwissenschaftlern sind die Unternehmensberatungen als Arbeitgeber attraktiv und unter den Top-Ten-Branchen vertreten.

Trotz Abgasskandal und Co. stehen die Automobilhersteller bei Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaftlern also immer noch ganz oben in der Beliebtheitsskala. Wie erklären Sie sich das?

Die gesamte Branche der Automobilhersteller, aber vor allem Volkswagen, das ja im Fokus des Abgasskandals steht, konnte sich trotz des Gegenwinds im Arbeitgeberranking behaupten, weil die Branche über die Jahre mit gutem Personalmarketing Vertrauenskapital aufgebaut hat. Die Autobauer erfüllen einfach die Erwartungen der jungen Talente.

Gab es Ergebnisse, die Sie überrascht haben?

Beliebteste Arbeitgeber: Wirtschaftswissenschaftler sehen Autobauer trotz Krise vorn

Stefan Lake, Country Manager Deutschland bei Universum. Foto: Universum

Es war für mich durchaus eine Überraschung, dass Volkswagen in unserem aktuellen Arbeitgeberranking nicht weiter abgerutscht ist. Ein Verlust von 5 Prozentpunkten sowohl bei den Studierenden der Wirtschafts- als auch der Ingenieurwissenschaften ist zwar eine erhebliche Einbuße, aber im Ranking drückt sich das bei den Studierenden beider Fachbereiche nur in einem Verlust von zwei Positionen aus. Ich hatte auch erwartet, dass die anderen Autobauer stärker einbrechen. Aber auch die haben nur wenige Prozentpunkte verloren und sind im Ranking nahezu unverändert. Überraschend ist sicher auch, dass der Zulieferer Bosch trotz des Abgasskandals bei den Studierenden der Wirtschafts- und der Ingenieurwissenschaften sogar um sieben beziehungsweise vier Positionen aufrücken konnte.

Ein weiteres Ergebnis unserer Umfrage, das mich allerdings jedes Jahr aufs Neue überrascht, ist der sogenannte Gender Pay Gap – also Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei den Erwartungen an das Gehalt. Dass dieser Gender Pay Gap bereits zu beobachten ist, noch bevor der erste Job überhaupt angetreten wird, ist schon überraschend. Ich hätte erwartet, dass die heutigen weiblichen Akademiker bei der Frage nach dem Gehalt ebenso selbstbewusst auftreten wie ihre männlichen Pendants. Das ist ganz offensichtlich nicht der Fall.

Die Forderungen der Absolventen an Unternehmen steigen immens. Was ist der jungen Generation besonders wichtig? Ist das überhaupt angemessen?

Die Studierenden betrachten künftige Arbeitgeber unter einer Vielzahl von Aspekten. Um herauszufinden, was den jungen Talenten bei den Unternehmen besonders wichtig ist, hat Universum ein Rahmenwerk der Treiber der Arbeitgeberattraktivität entwickelt. Es bezieht sich auf Aspekte, die das Ansehen und Image des Arbeitgebers  betreffen, auf Gehalt und Aufstiegsmöglichkeiten, auf das soziale Umfeld und Eigenschaften des Arbeitsplatzes sowie auf die Anforderungen des Jobs. Der Universum Student Survey 2016 zufolge ist ein Arbeitgeber für die jungen Talente dann besonders attraktiv, wenn er ein attraktives Grundgehalt, vielfältige Arbeitsaufgaben, ein freundliches Arbeitsumfeld, ein hohes Einkommen in der Zukunft sowie einen sicheren und beständigen Arbeitsplatz bietet.

Welche langfristigen Karriereziele haben die Befragten?

Schon seit einigen Jahren ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf und Privatleben das wichtigste langfristige Karriereziel der Studierenden. Die Work-Life-Balance nimmt auch in der Universum Student Survey 2016 den ersten Platz ein. Es folgen Jobsicherheit, intellektuelle Herausforderung, der Wunsch, eine Führungskraft in leitender Position und im Job unternehmerisch und kreativ zu sein. Wenn man die Studierenden fragt, was sie mit Work-Life-Balance verbinden, lauten die Antworten: ein positives Arbeitsklima, finanzielle Stabilität und dass sich Familien- und Karriereplanung nicht stören.

Aus zahlreichen anderen Studien wird ersichtlich, dass Absolventen und Young Professionals immer höhere Ansprüche an ihr Gehalt haben. Können Sie das bestätigen?

Auf Grundlage der Universum-Studien können wir nicht bestätigen, dass Absolventen und Young Professionals immer höhere Ansprüche an ihr Gehalt haben. Bei den Studierenden lag die durchschnittliche Gehaltserwartung in 2016 zum Beispiel bei 41.136 Euro, im Vorjahr lag sie etwas höher bei 41.526 Euro. Aber es stimmt durchaus, dass das Gehalt eine wichtige Rolle spielt. Bei der Beurteilung der Arbeitgeberattraktivität ist ein attraktives Grundgehalt von insgesamt 40 Arbeitgebereigenschaften diejenige, die für die Studierenden am wichtigsten ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Informationen zum „Universum Student Survey 2016“ finden Sie hier.
Die nachfolgende Grafik fasst die wichtigsten Ergebnisse der Studie nocheinmal optisch aufbereitet zusammen:

Beliebteste Arbeitgeber: Wirtschaftswissenschaftler sehen Autobauer trotz Krise vorn

Grafik: Universum