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Wenn der Testbewerber anruft: „Best Recruiters“ nimmt Arbeitgeber unter die Lupe

Foto: Martin Hörmandinger

Foto: Martin Hörmandinger

Wie verändert sich derzeit die Recruiting-Praxis in Unternehmen? Recruiting-Präsenz, Online-Stellenanzeigen und der Umgang mit Bewerbern – Anhaltpunkte dazu liefert die Studie Best Recruiters 2014/2015, die kürzlich auf der Messe Personal Austria in Wien präsentiert wurde. Die Untersuchung, die inzwischen in Deutschland, Österreich und der Schweiz läuft, nimmt die jeweiligen Top-Arbeitgeber – definiert nach Umsatz- und Mitarbeiterzahlen – unter die Lupe.

Interessant ist im Vergleich zu anderen Arbeitgeberpreisen und Recruiting-Studien der Fokus auf die Candidate Experience, also darauf, wie Bewerber die Arbeitgeber erleben. Grundlage ist zum einen eine Online-Befragung, an der schon 10.000 Bewerber teilgenommen haben. Darüber hinaus schicken die Studienmacher aber auch selbst Bewerbungen an Arbeitgeber oder greifen direkt zum Hörer.

Bislang wurden in fünf Jahren 4.708 Arbeitgeber getestet, 16.262 Bewerbungen versendet und 3.074 Anrufe in HR-Abteilungen getätigt. „Wir haben die Brille der Bewerber und Bewerberinnen auf“, erklärte deshalb auch Markus Gruber, Initiator der Studie, bei der Präsentation in Wien.

Lange Leitung oder direkter Draht zum Bewerber?

In Sachen Umgang mit Bewerbungen unterzieht Best Recruiters die Arbeitgeber einem Vierfach-Test: Neben Initiativbewerbungen wurden erstmals auch Bewerbungen auf vakante Stellen verschickt – und zwar jeweils nicht nur telefonisch, sondern nun auch per E-Mail. Die Anrufe übernahm etwa eine fiktive Person namens Christine Böhm, nach dem Motto: „Ich finde Sie als Arbeitgeber wahnsinnig spannend, aber ich habe keine passende Stelle auf ihrer Website gefunden. Was kann ich tun?“

Die Resonanz war erstaunlich: 91 Prozent der HR-Abteilungen waren erreichbar (Vorjahr 75 Prozent). 81 Prozent stellten Kompetenz unter Beweis und boten eine Lösung an. 38 Prozent nutzen das Telefonat, um weiterführende Informationen zu sammeln und sich nach der Qualifikation des Bewerbers zu erkundigen. In diesem Punkt könnten die Personaler aus dem bestehenden Kontakt bestimmt noch mehr herausholen.

Ähnlich läuft es per E-Mail: Bevor sich die alleinerziehende Mutter Flora Stolz beim Unternehmen bewirbt, fragt sie nach, wie es um die Arbeitgeberwerte, die Kultur und weitere Benefits bestellt ist. Hier ist das Bild deutlich ambivalenter: 45 Prozent der Personaler haben innerhalb der studienrelevanten Frist (zehn Werktage, nach Erstreaktion Verlängerung auf 20 Werktage) gar nicht geantwortet, dafür aber 43 Prozent in drei Werktagen. 58 Prozent sind bereit, die Themen offen per E-Mail zu anzusprechen.