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Bewerbung der Zukunft: Anschreiben für die Tonne?

Bewerbung der Zukunft: Anschreiben für die Tonne?

Foto: pixelio.de / Anton Porsche

Die Digitalisierung der Arbeitswelt schreitet voran: Sie hat nicht nur Auswirkungen auf den Arbeitsalltag, sondern auch auf die Bewerbungsverfahren. Doch ausgereift ist die Bewerbung der Zukunft noch nicht. Unternehmen experimentieren mit neuen Formen der Ausschreibung von offenen Stellen, denn sie möchten einen guten Eindruck bei potenziellen neuen Mitarbeitern machen und im „War for Talents“ Vorteile erringen. Diese Übergangsphase sorgt für Unsicherheit unter Bewerbern, die sich fragen: „Wie wichtig ist heutzutage das Anschreiben?“, „Bevorzugen Unternehmen Bewerbungen per Post oder per Mail?“, „Was nützt mir die Anmeldung auf Karrierenetzwerken wirklich?“

Wie Arbeitgeber und Stellensuchende verschiedene Bewerbungsverfahren der Zukunft einschätzen, hat das Themenspecial „Bewerbung der Zukunft“ der jährlichen Studienreihen „Recruiting Trends 2016“ und „Bewerbungspraxis 2016“ von Online-Karriereportal „Monster“ und dem Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universität Bamberg ergründet.

Unternehmen favorisieren Bewerbung per Formular

Auffällig ist, dass Stellensuchende und Unternehmen nach wie vor unterschiedliche Vorstellungen von einem idealen Bewerbungsprozess haben. Das fängt schon mit dem Bewerbungseingang an:

75 Prozent der befragten Unternehmen bevorzugen die Formularbewerbung, 23 Prozent präferieren eine E-Mail-Bewerbung und gerade mal 1 Prozent sehen den Eingang per Post am liebsten. Dagegen zeigen die Antworten der Jobsuchenden, dass sie nur ungern Formulare ausfüllen möchten: Diese Form favorisieren lediglich 7,6 Prozent. Für 6,8 Prozent der Befragten wäre diese Bewerbungsart sogar ein Grund sich nicht zu bewerben. Bei Jobanwärtern steht die E-Mail-Bewerbung mit 83,1 Prozent ganz oben auf der Skala.

Bewerbung: Trend geht zukünftig in Richtung Formular

Grafik: obs/Monster Worldwide Deutschland GmbH

Arbeitgeber rechnen allerdings damit, dass der Trend sich zukünftig in Richtung Formularbewerbungen bewegt und E-Mail-Bewerbungen abnehmen. Tatsächlich erhalten Unternehmen 48,9 Prozent ihrer Bewerbungen via Formular, 36,1 Prozent per E-Mail und 13 Prozent auf dem Postweg.

Zum Haare-Raufen: Das Anschreiben hält sich hartnäckig

Auch die Bestandteile der Bewerbung sind ein Thema, das Jobsuchende wohl des Öfteren zum Haare-Raufen veranlasst. Auf die Frage, wie Unternehmen heute Anschreiben bewerten, antworten knapp 80 Prozent, dass sie aktuell Anschreiben noch als sehr wichtig erachten. Für die Zukunft können sich das aber nur noch sechs von zehn Arbeitgebern vorstellen. Im Vorjahr waren es noch sieben von zehn.

Auf Seiten der Karriereinteressierten steht das Anschreiben bei etwa 90 Prozent noch höher im Kurs. Nur vier von zehn Befragten glauben, dass die Bedeutung abnehmen wird. Gerne geschrieben werden Anschreiben allerdings nicht: 36,5 Prozent würden lieber darauf verzichten. 13 Prozent haben ihr Anschreiben sogar schon von anderen Personen schreiben lassen. Das ist ein gutes Geschäft: Bewerber können inzwischen Anschreiben vom Profi online anfordern – diese lassen sich aber auch fürstlich entlohnen.

Kurzprofile in sozialen Netzwerken auf dem Vormarsch

Immer beliebter auf allen Seiten werden dagegen Kurzprofile, die Kandidaten in Karrierenetzwerken und Internet-Stellenbörsen veröffentlichen. Kurz und prägnant erhalten sie die wichtigsten Daten und Fakten zu einem Bewerber und Unternehmen können auf einen Blick erfassen, mit was für einem Kandidaten sie es zu tun haben. Arbeitgeber wie auch Jobsuchende glauben, dass die Bedeutung der Kurzprofile zukünftig zunimmt. Momentan behandeln Unternehmen diese Bewerbungsform aber noch nicht vorrangig – ganz im Gegensatz zu den Jobanwärtern: Über die Hälfte der Jobinteressierten nutzt sie schon, vor allem, um sich von anderen Bewerbern abzuheben.

Zu wenig Konsens zwischen Bewerbern und Arbeitgebern

Deutlich wird durch die Studien vor allem eines: Stellensuchende und Arbeitgeber müssen sich dringend einander annähern. Um beide Parteien zufrieden zu stellen, sollten sie voneinander lernen und gemeinsame Standards entwickeln. Natürlich wird die Art der Bewerbung immer Geschmacksache bleiben, doch würde ein größerer Konsens den Prozess merklich vereinfachen und die Verunsicherung der Bewerber mildern. Arbeitgeber und Karriereinteressierte müssen dafür beide mitspielen: Erstere, indem sie ihre Anforderungen klar kommunizieren und Zweitere, indem sie in die Kommunikation mit einsteigen und entsprechendes Feedback abgeben.

Bewerbung der Zukunft: Wie wichtig ist das Anschreiben?

Grafik: obs/Monster Worldwide Deutschland GmbH

 

Das vollständige Themenspecial „Bewerbung der Zukunft“ und weitere Teile der Studienreihe „Recruiting Trends 2016“ können Sie hier downloaden.