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Bewerbung der Zukunft: Bleibt die Individualität auf der Strecke?

Bewerbung der Zukunft: Bleibt die Individualität auf der Strecke?

Foto: Pixabay.com

Bewerbungsverfahren und die Art der Jobsuche verändern sich aktuell ganz massiv. Dadurch wächst auch die Verunsicherung bei Bewerbern. Bei der Vielzahl an Bewerbungswegen stellt sich daher oft die Frage: „Welche Art der Bewerbung ist denn nun ideal?“, „Was erwarten die Unternehmen wirklich?“ Im Themenspecial „Bewerbung der Zukunft“ der diesjährigen Monster-Studienreihe „Recruiting Trends“, gehen die Jobexperten diesen Überlegungen auf den Grund.

Die Zeit des langen Grübelns, wie man sein Anschreiben am besten formuliert, könnte bald Geschichte sein. Denn die digitale Konkurrenz schläft nicht: One-Click- oder Formularbewerbungen werden von Unternehmen mittlerweile häufig genutzt. Dennoch stellt sich die Frage, ob damit die Individualität einer Bewerbung nicht verloren geht und somit auch die Persönlichkeit des Bewerbers in den Hintergrund rückt. Zählen künftig wirklich nur noch die nackten Fakten im Lebenslauf?

Für die aktuellen Studienreihen „Monster Recruiting Trends 2016“ und „Bewerbungspraxis 2016“ des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universität Bamberg, die in Zusammenarbeit mit dem Karriereportal Monster entstanden sind, wurden die Top 1.000 Unternehmen sowie über 4.800 Stellensuchende und Karriereinteressierte aus Deutschland nach ihrem Nutzungsverhalten und ihren Einschätzungen zu Themen, wie beispielsweise den Bewerbungsformen der Zukunft, befragt.

Papier ist oldschool…

Bewerbung der Zukunft: Bleibt die Individualität auf der Strecke?

Foto: I-vista / pixelio.de

Die Ergebnisse verdeutlichen unter anderem, dass Unternehmen künftig verstärkt auf digitale Kanäle und soziale oder berufliche Netzwerke für ihre Bewerbungsverfahren setzen möchten. Dieser Trend ist schon jetzt deutlich zu spüren: Knapp die Hälfte aller Bewerbungen werden bereits über Online-Formulare verschickt, 36 Prozent kommen per Email beim Personaler an. Nur noch rund 13 Prozent der Bewerbungen werden per Post versandt. Sechs von zehn Unternehmen und die gleiche Anzahl von Stellensuchenden halten das persönliche Anschreiben zukünftig noch für relevant.

Für Schreibmuffel könnte künftig ein Traum wahr werden: Moderne digitale Bewerbungsformen wie die One-Klick-Bewerbung oder ein Kurzprofil machen die Bewerbung bequemer. Insgesamt wird dadurch der Rekrutierungsprozess enorm verkürzt; Jobsuchende und Unternehmen finden schneller zueinander. Doch wo bleibt da die Möglichkeit, sich kreativ und individuell auszudrücken, zu zeigen: „Ich bin etwas besonderes?“

Sterben Anschreiben bald aus?

Das scheint die befragten Kandidaten allerdings nicht allzu sehr zu beschäftigen: 36,5 Prozent würden auf ein Anschreiben in der Bewerbung verzichten, sofern sie könnten. Digitale Bewerbungsformen liegen im Trend: Kurzprofile halten zum Beispiel 15 Prozent der Unternehmen aktuell für wichtig. Sie schätzen sogar, dass diese Zahl auf 72 Prozent anwachsen wird.

Für Studienleiter Prof. Dr. Tim Weitzel vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik ist klar: „Papierbasierte Bewerbungen verlieren schon länger an Bedeutung, der neue Standard sind digitale Bewerbungen. Das ist für beide Seiten – Kandidaten und Unternehmen – gut. Denn es geht ums finden und gefunden werden. Das geht digital sehr viel besser.“

Aber wollen die Unternehmen tatsächlich auf die Anschreiben verzichten? Gerade diese waren noch vor wenigen Jahren in den meisten Branchen ausschlaggebend für ein „ja“ oder ein „nein“, zumindest was die Einladung zum Bewerbungsgespräch angeht.

Uneinigkeit in Bezug auf die Formular-Bewerbung

Bewerbung der Zukunft: Bleibt die Individualität auf der Strecke?

Beispiel eines Bewerbungsportals

Uneinig sind sich Personaler und Bewerber über Formularbewerbungen. 75 Prozent der Recruiter bevorzugen diese Form, nur knapp acht Prozent der Kandidaten sprechen sich dafür aus. Diese favorisieren eher die E-Mail-Bewerbung.

Die Vorteile der Formularbewerbung scheinen eher bei den Unternehmen zu liegen. Denn diese gewinnen durch den standardisierten Prozess jede Menge Zeit. Doch den Bewerbern fehlt die persönliche, individuelle Note, die sie in ihrer Bewerbung zum Ausdruck bringen möchten, mit denen sie sich bessere Chancen ausrechnen. Verständlich, denn nur nach Noten und Fakten bewertet zu werden, könnte dem ein oder anderen Schwierigkeiten bereiten. Dies würde auch die Beliebtheit der E-Mail-Bewerbung erklären. Andere wiederum werden sich darüber freuen, sich nicht mehr den Kopf für ein wohlformuliertes Anschreiben zerbrechen zu müssen.

Die One-Click-Bewerbung: Schnell aber emotionslos

Noch schneller geht’s bei der One-Click-Bewerbung: Mit nur einem Klick lässt sich das aktuelle Bewerberprofil aus dem Karrierenetzwerk oder einer Lebenslaufdatenbank an den Wunscharbeitgeber übermitteln. Zurzeit stufen 17 Prozent der Unternehmen die One-Click-Bewerbung als wichtigen Bewerbungskanal ein, 29 Prozent der Stellensuchenden sind derselben Meinung.

Unternehmen stünden dem aber auch durchaus kritisch gegenüber. Auch ihnen fehle dabei die Individualität für eine angemessene Bewerberselektion und ausreichender Informationsfluss, so Weitzel. Außerdem befürchten 61 Prozent der befragten Arbeitgeber eine regelrechte Bewerbungsflut auf Grund des „schnellen Klicks“.

Richtige Mischung aus Standard und Individualität ist gefragt

Die Studienergebnisse rund um das Thema „Bewerbung der Zukunft“ verdeutlichen, dass durch standardisierte Prozesse zwar Zeit gewonnen wird, Individualität und Persönlichkeit jedoch gleichzeitig verloren gehen können. „Aber Standard und Individualität müssen sich nicht unbedingt ausschließen – die richtige Mischung macht’s“, resümiert Marc Irmisch, Vice President General Manager bei Monster.

Zum Beispiel können Arbeitsproben, Projekterläuterungen und Erfolgsprotokolle in diversen Portalen hochgeladen werden. Auch in Profilen sozialer Businessnetzwerke haben User die Gelegenheit, ihr Profil mit solchen Bausteinen zu versehen. Textmodule, in denen sich jeder Jobsuchende kreativ austoben kann, Slots für Videos, pfd-Files sowie Grafiken und Bilder von Projekten. Solche Mischformen könnten sich künftig durchsetzen.

Die Themenspecials zu den Studienreihen „Recruiting Trends 2016“ und „Bewerbungspraxis 2016“ stehen hier zum Download bereit.

1 Kommentar

  1. Hallo!
    Als Student finde ich die Entwicklung recht interessant. Vor allem, da Bewerbungen sehr viel Zeit kosten können und womöglich nichts bei rum kommt.
    Ich denke, dass Formulare schwierig zu bewerten sind. da es da ja deutliche Unterschiede gibt. In manchen kann man nur das Nötigste eintragen (oder auswählen), während man in anderen durchaus Platz für die individuelle Note hat.
    Ebenso bei der 1-Klick-Bewerbung. Es gibt ja Portale, in denen man sich zwar schnell bewerben kann, aber nochmal die Chance hat, ein paar Sätze über sich zu schreiben.
    Insgesamt glaube ich aber, dass es nur Vorteile hat und man sich viel Mühe spart. Wobei es da nicht darum gehen sollte, Arbeit zu sparen. Aber mir ging es zumindest öfter so, dass man ewig recherchiert (z.B: für den exakten Ansprechpartner), nur um nichts zu finden oder doch den falschen Namen, weil es vor Kurzem einen Wechsel gab.

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