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Internationaler Vergleich: Deutsche gehören zu Europas zufriedensten Arbeitnehmern

Foto: Rainer Sturm/pixelio.de.

Foto: Rainer Sturm/pixelio.de.

Deutsche Fach- und Führungskräfte gehören zu den zufriedensten Arbeitnehmern in Europa: 72 Prozent geben an, mit ihrer aktuellen Stelle zufrieden oder sehr zufrieden zu sein, nur knapp ein Viertel sieht sich aktiv nach einer neuen Stelle um. Lediglich die Niederländer erreichen mit insgesamt 81 Prozent noch höhere Zufriedenheitswerte als die Deutschen. Wichtigstes Argument für einen Arbeitgeberwechsel in Deutschland bleibt die Vergütung, gefolgt von besserer Work-Life-Balance und mehr Entwicklungsspielraum. Das hat des Business-Netzwerks LinkedIn in der groß angelegten Befragung „Talent Trends 2015“ herausgefunden, an der sich über 20.000 Professionals in 29 Ländern beteiligt haben.

Konjunktur spielt entscheidende Rolle

Knapp ein Drittel (32 Prozent) der befragten Deutschen ist sogar „sehr zufrieden“ mit der aktuellen Position. Übertroffen werden sie im europäischen Vergleich nur vom Spitzenreiter Niederlande (47 Prozent) und der Türkei (33 Prozent). „Der Arbeitsmarkt in Deutschland steht im Vergleich sehr gut da, im weltweiten Schnitt sind nur 26 Prozent ’sehr zufrieden‘ mit ihrem Job“, kommentiert Alexandra Kolleth, Mitglied des Führungsteams bei LinkedIn Deutschland, Österreich und Schweiz. „Dazu trägt sicher auch die Konjunkturlage bei – in Frankreich, Italien oder Spanien fällt dieser Wert unter 20 Prozent.“

Wer zufrieden ist, lässt sich schwer zum Wechsel bewegen

Die hohe Zufriedenheit der Arbeitnehmer bedeutet allerdings auch, dass die Gewinnung von qualifizierten Fach- und Führungskräften für Personaler schwieriger wird. Knapp zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) geben an, aktuell bei der Jobsuche passiv zu sein, also weder aktiv Stellenanzeigen zu lesen noch regelmäßig nach neuen Stellen zu suchen. „Für Personaler heißt das, dass sie potenzielle Jobkandidaten selbst identifizieren und ansprechen müssen“, erklärt Kolleth. „Eine Stellenanzeige zu veröffentlichen und dann nur darauf zu warten, dass sich Top-Talente von selbst melden, ist ein riskantes Glücksspiel.“

Dabei bevorzugen viele Kandidaten den direkten Kontakt mit dem Unternehmen. 47 Prozent sind sehr daran interessiert, von einem Recruiter aus der Personalabteilung angesprochen zu werden – bei Headhuntern fällt dieser Wert auf 38 Prozent.

Trotzdem bleiben Stellenanzeigen wichtig, immerhin sind 24 Prozent der Befragten aktiv auf der Suche nach einem neuen Job. Ohne Online-Präsenz geht dabei nichts: Die wichtigsten Informationsquellen sind Jobportale (62 Prozent). Business-Netzwerke (60 Prozent) und Unternehmenswebseiten (52 Prozent). Weit abgeschlagen folgen Printpublikationen (26 Prozent) und Fachmagazine (15 Prozent).

Transparenz überzeugt

Das überzeugendste Argument für einen Wechsel ist für knapp die Hälfte der Befragten (48 Prozent) eine bessere Vergütung, jeweils ein gutes Drittel würde für eine bessere Work-Life-Balance oder bessere Weiterbildungsmaßnahmen eine neue Stelle in Erwägung ziehen (jeweils 34 Prozent). Bessere Aufstiegschancen und höhere Jobsicherheit sind dagegen kaum entscheidend (15 und 13 Prozent).

Neben dem Verlauf des Bewerbungsgesprächs selbst ist Transparenz für viele Kandidaten wichtig für den Eindruck, den ein möglicher neuer Arbeitgeber hinterlässt. Wer alle Fragen zum Unternehmen und Produkten beantwortet (60 Prozent), ein Gespräch mit dem Management ermöglicht und die Unternehmenskultur vor Ort zeigt (beide 54 Prozent), punktet. Es lohnt sich zudem, früh potenzielle Vorgesetzte und Kollegen einzubinden: Vier Fünftel sehen es sehr positiv, direkt vom möglichen Vorgesetzten angesprochen zu werden. Mit Geschenken sollten sich Personaler dagegen nicht aufhalten. 80 Prozent sind solche Zuwendungen schlicht egal.