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Internationaler Vergleich: Die Deutschen sind Feierabendkönige

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Foto: pixabay.com

Flexibilisierung der Arbeitswelt hin oder her, der Feierabend ist noch immer eine Art Nationalheiligtum der Deutschen. Über drei Stunden freie Zeit hat der Durchschnittsdeutsche am Abend und die möchte er in vollen Zügen genießen. Und: Die bestehende Freizeit macht Lust auf mehr. Über fünfzig Prozent der Deutschen wünschen sich noch mehr Zeit für sich selbst am Abend (neudeutsch „Me-Time“) und knapp ein Viertel wünscht sich mehr Zeit für bewussten Genuss. Das hat eine repräsentative Studie im Auftrag des Lebensmittel-Discounters Lidl ergeben.

Internationales Alleinstellungsmerkmal

Doch blicken wir einmal über den eigenen Couchtisch hinaus, stellen wir schnell fest, dass wir im internationalen Vergleich blendend dastehen, was den Feierabend betrifft. Alleine schon das Wort Feierabend verschafft uns international gesehen ein Alleinstellungsmerkmal.

Die Engländer haben ihn nicht, die Franzosen auch nicht: Der Feierabend fehlt in ihrem Wortschatz. Die Polen und Slowaken haben ihren Feierabend aus dem Deutschen abgeleitet und sprechen von „fajrant“ bzw. „fajront“. Die Japaner rufen sich „o-sakini“ zu, was – ebenfalls kulturell sehr interessant – so viel bedeutet wie „Sorry, ich gehe vor euch!“. Die Zurückbleibenden rufen daraufhin „o-tsukaresama“, sprich „Du musst müde sein!“. Soweit lassen es aber die wenigsten Japaner kommen, denn früher gehen ist nicht gern gesehen und so siedeln die meisten lieber geschlossen vom Büro in die Karaokebar über.

Couchtisch statt Stammtisch

Laut OECD läuten die Deutschen ihren Feierabend grundsätzlich auch früher ein als viele andere Nationen. Auf unserem Arbeitsstundenkonto stehen pro Jahr 1.393 Stunden. Die Franzosen bringen es auf 1.479 Stunden, die Engländer auf 1.654 Stunden. Noch länger als die Japaner (mit 1.745 Arbeitsstunden pro Jahr) arbeiten die Italiener (1.752), Amerikaner (1.790) und Griechen (2.034) auf ihren Feierabend hin. Eine weiterführende Übersicht über die Arbeitszeiten im internationalen Vergleich gibt es hier.

Und wie verbringen wir unseren Feierabend? Während Japaner gern zu einem Glas Sake ihr Gesangstalent unter Beweis stellen, ist für Engländer das Pub die Feierabend-Location. Bei Ale, Porter oder auch mal einem Glas Wein wird mit den Kollegen auf das gemeinsame Tagewerk angestoßen. Couchtisch statt Stammtisch heißt es hingegen in Deutschland: Nur drei Prozent der Befragten gehen nach der Arbeit mit Kollegen noch etwas trinken, mehr als die Hälfte (56 Prozent) dagegen verbringt den Abend daheim.

Kulturelle Unterschiede

Neugierig geworden, welche kulturellen Untereschiede sich noch hinter dem für uns so selbstverständlich gebrauchten Begriff des Feierabends verbergen? Wer noch tiefer in die Thematik einsteigen möchte, dem sei das sehr interessante Buch „Feierabend: Eine Reise in die deutsche Seele“ der beiden italienischen Autorinnen Vanna Vannuccini und Francesca Predazzi ans Herz gelegt.

Einen spannenden Beitrag zu dem Thema hat auch Zeit-Autorin Anne Kunze beigesteuert, inklusive einer kurzen Geschichte des Feierabends seit dem 16. Jahrhundert und einer Einschätzung, was die Einstellungen der viel beschriebenen Generation Y mit dem Thema zu tun haben.

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