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Die Initiativbewerbung: Gute Chance oder falscher Weg?

Die Initiativbewerbung: Gute Chance oder falscher Weg?

Foto: Privat

Ihr Traumarbeitgeber hat nicht die passende Stelle für Sie? Dann bewerben Sie sich doch einfach trotzdem – ganz selbstbewusst, initiativ. Werfen Sie Ihre Skepsis und Zweifel gegenüber der Initiativbewerbung über Board. Vielleicht ist der richtige Weg zum Traumjob doch die Blindbewerbung. Denn so ineffektiv und erfolglos, wie ihr Ruf, ist die Initiativbewerbung nicht. In vielen Branchen und Unternehmen wird sie von Recruitern sogar absolut geschätzt.

Die Personalwirtschaft, das Magazin für Human Resources, hat gemeinsam mit dem Institut for Competitive Recruiting (ICR) insgesamt 625 Personen, 325 Personaler und 300 Bewerber, zum Thema Initiativbewerbung befragt. Auf der Zukunft Personal Mitte Oktober in Köln haben HR-Experten bei der Podiumsdiskussion „Initiativbewerbung: Lust oder Last für Recruiter?“ die folgenden sieben gängigsten Irrtümer heiß diskutiert:

1. Initiativbewerbungen sind für die Katz!

Viele zweifeln am Erfolg der Blindbewerbung und stehen ihr skeptisch gegenüber. Die wenigsten Bewerber sind davon überzeugt, dass Initiativbewerbungen mit offenen Stellen im Unternehmen abgeglichen werden. Hier unterschätzen sie das Arbeitsethos der Recruiter. Der Großteil der Personaler versichert, dies regelmäßig zu tun. „Auch wir bei spring freuen uns über eingehende Initiativbewerbungen und gehen mit diesen, wie auch mit allen auf freie Stellen bezogenen Bewerbungen, um. Dabei schauen wir zuerst auf die generellen Qualifikationen und Kompetenzen, die der Bewerber mitbringt und ob es hierzu schon ein Job-Match gibt. Ist das nicht der Fall, schauen wir uns die Bewerbungen auch abteilungsübergreifend an und versuchen da zu matchen. Ansonsten kommt eine qualifizierte Initiativbewerbung für die nächsten 6 Monate in unseren Talent Pool“, so Anastasia Romanski, HR Managerin bei spring Messe Management in Mannheim.

2. Nur keine und mittelständische Unternehmen freuen sich über unverlangte Einsendungen.

Personaler in Großunternehmen stehen Initiativbewerbungen mehrheitlich ablehnend gegenüber – ganz anders bei KMUs. Hier freuen sich die Personaler über eingehende Initiativbewerbungen. Grundsätzlich ist da anscheinend schon etwas dran. Doch das sollte einen nicht davon abbringen, sich nicht initiativ bei großen Unternehmen zu bewerben. Denn auch hier gibt es den ein oder anderen Recruiter, der sich Initiativbewerbungen anschaut und prüft, wo die Kandidaten passen könnte.

3. In trendigen Branchen werden Blindbewerbungen sowieso gleich weggeworfen.

Falsch gedacht! In den durch Fachkräftemangel gebeutelten Branchen IT, Telekommunikation und Internetwirtschaft freuen sich Personaler über Bewerber, die von sich aus anklopfen und motiviert Interesse am Unternehmen bekunden. Auch Bewerber halten Initiativbewerbungen für den Königsweg in umkämpften Branchen – Ingenieure, ITler, Vertriebler sowie Berufstätige in der Pflege und im Handwerk.

4. Unternehmen haben keine Prozesse, um Initiativbewerbungen zu handhaben!

So lautet das deutliche Urteil auf Bewerberseite: Was mit der Initiativbewerbung passiert, ist den meisten Bewerbern ein Mysterium. Kommt keinerlei Reaktion, stellt sich bei manchen das Gefühl ein, sie verschwänden in einem „Schwarzen Loch“. Die meisten Kandidaten bezweifeln, dass Arbeitgeber einen festen Prozess haben, der sicherstellt, dass Initiativbewerbungen und andere Bewerbungen gleich behandelt werden. Doch das stimmt nicht ganz: In der Hälfte der befragten Unternehmen sind solche Prozesse bereits vorhanden, denn auch die Recruiter wünschen sich einen klar definierten Prozess für Initiativbewerbungen, der die Gleichbehandlung aller Bewerbungen sicherstellt.

5. Initiativbewerbungen sind nur etwas für Berufseinsteiger!

Diese Annahme ist falsch. Fachkräfte, Abteilungsleiter, Bereichsleiter und Senior Manager glauben ebenso, dass eine Initiativbewerbung der beste Weg zum Wunscharbeitgeber ist.

6. Initiativbewerbungen sind ein Auslaufmodell!

So negativ ist zumindest die Meinung auf Recruiter-Seite. Außer bei den Personaler von kleinen und mittelständischen Unternehmen, denn die bescheinigen der Initiativbewerbung mehrheitlich Zukunftsfähigkeit. Konzerne hingegen winken ab. Jeder dritte Bewerber glaubt hingegen an die Zukunft der Initiativbewerbung. Rund drei Viertel aller Bewerber, die bei interessanten Unternehmen kein konkretes Stellenangebot entdecken, würden sich initiativ bewerben.

7. Weil ohnehin jede offene Stelle ausgeschrieben wird, kann man Initiativbewerbungen vernachlässigen.

Auch mit dieser Annahme liegt man absolut falsch! Stellenangebote lesen sich oft wie die längste Wunschliste der Welt und verschrecken unter Umständen Kandidaten, die nicht alle Anforderungen erfüllen. In Initiativbewerbungen können Qualifikationen zum Vorschein kommen, an die bei der Formulierung des Jobangebots gar nicht gedacht wurde.

Personaler bringen der Initiativbewerbung eine Art Hassliebe entgegen, schließlich ist sie mit mehr Arbeit verbunden – aber entdeckt man dadurch ein passendes Talent, zahlt es sich aus. Gerade Personaler mit großen Rekrutierungssorgen in Branchen mit einem höheren Fachkräftemangel begrüßen unverlangte Einsendungen von Bewerbern. Sie haben es bereits erkannt: Initiativbewerbungen haben großes Potenzial.