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Mehr Demokratie in Unternehmen: Der Film AUGENHÖHE zeigt, wie das funktionieren kann

Bei den Dreharbeiten zum Film.

Bei den Dreharbeiten zum Film.

Wer interessiert sich denn für die Filmpräsentationen und das Thema insgesamt?

Das hängt bei den lokalen Terminen davon ab, wer in seinem Netzwerk einlädt. Wir haben Veranstaltungen, bei denen viele aus dem Beraterumfeld sind, und wieder andere, bei denen das Publikum alle Bevölkerungsschichten abdeckt: Da ist dann zum Beispiel der Student, der merkt, ich steuere jetzt auf den Arbeitsmarkt zu und meine Vorstellung ist eine ganz andere als das, was ich bisher in Praktika schon erlebt habe. Hinzu kommen Führungskräfte, Unternehmenslenker und Personaler. Diese Bandbreite zeigt sich dann auch immer in den Diskussionen.

Welche Hauptthemen poppen dabei immer wieder auf?

Auf wohl jeder Veranstaltung kommt die Fragestellung auf, ob so eine Veränderung nur von oben funktioniert. Der zweite Diskussionspunkt dreht sich meist darum, was die ersten Schritte sein können. Und als drittes kommt meist die Frage: Wo finde ich solche Unternehmen? Da merken wir diese Sehnsucht gerade von Berufsabgängern und Studierenden.

Was meinen Sie: Geht die Veränderung denn tatsächlich nur von oben?

Nein, jeder Entscheider, der ein Projekt umsetzt, kann auch sagen: „Hey, ich probiere das.“ Das muss nicht der Geschäftsführer oder Vorstand sein. In dem Film zeigen wir deshalb auch die Bandbreite vom kleinen Unternehmen bis hin zum großen Konzern. Bei adidas ging die Veränderung zum Beispiel nicht vom Vorstandsvorsitzenden aus, sondern von mutigen Menschen in der Organisation, die sich ihre Arbeitskultur anders vorstellen. Wir haben oft Grenzen und einen gewissen vorauseilenden Gehorsam im Kopf. Aber wenn wir uns auf den Weg machen, merken wir, dass die Grenzen gar nicht da sind oder zumindest dass wir viel mehr machen können, als wir uns ausgemalt haben.

Aber die Gefahr besteht doch, dass man für ein solch eigenmächtiges Verhalten einen Rüffel bekommt, oder?

Kürzlich sagte eine Dame auf einer der Film-Veranstaltungen in Mannheim: „Wie viele gesellschaftliche Veränderungen kamen denn von oben? Die kamen immer von unten.“ Da brauchen wir nur die Geschichte der deutschen Wiedervereinigung anzuschauen. Das lässt sich zwar nicht direkt vergleichen, aber man kann einen Gedanken mitnehmen: Vielleicht ist der, der glaubt, alleine zu sein, einfach nur der erste, der den Mut hat. Aber natürlich besteht immer die Gefahr, dass sich die Organisation wehrt. Dabei spielt das Machtthema eine große Rolle: Wer sich bisher etwa als Abteilungsleiter und Vorgesetzter über seinen von oben verliehenen Titel identifizierte, braucht ein neues Rollenverständnis.