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Fit für den Neustart: Initiativen unterstützen Studienabbrecher

Dieter Schütz/pixelio.de

Dieter Schütz/pixelio.de

Rund jeder vierte Studierende bricht heute sein Studium ab. Ob freiwillige Entscheidung oder gezwungenes Aus, weil eine entscheidende Prüfung vermasselt wurde: Um dennoch eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu haben, müssen sich Studienabbrecher möglichst frühzeitig nach passenden Alternativen umsehen.

Verschiedene Initiativen haben es sich auf die Fahnen geschrieben, Studenten, die ihr Studium an den Nagel hängen, hierbei zu unterstützen.

Duale Berufsausbildung als Alternative

Eine Möglichkeit ist der Einstieg in eine duale Berufsausbildung. Interessant ist hierbei vor allem, dass es für Studienabbrecher oft die Option gibt, diese aufgrund der bereits erworbenen Vorbildung zu verkürzen.

Zusätzlich bieten einige Projekte die Möglichkeit, unmittelbar im Anschluss an die verkürzte Ausbildungszeit die Meisterprüfung abzulegen.

Ein Beispiel für ein Projekt, das dies ermöglicht, ist die Initiative Neustart IT der IHK Hannover. In zwei Jahren oder bei guten Leistungen sogar in nur 18 Monaten können Studienabbrecher aus der Informations- oder Kommunikationstechnologie bei den beteiligten Unternehmen eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolvieren und damit einen anerkannten Berufsabschluss erwerben.

Den gleichen Weg geht das 2009 ins Leben gerufenen Projekt „Switch“ der Wirtschaftsförderung Aachen: Auch hier werden Unternehmen, die dringend Fachkräfte suchen, und Studienabbrecher zusammengebracht. Voraussetzung: Studenten müssen mindestens zwei Semester eingeschrieben gewesen sein und mindestens 20 Credit Points vorweisen können.

Handwerk hat goldenen Boden?

„Handwerk hat goldenen Boden“, heißt es ja bekanntlich im Volksmund. Davon, dass dies auch für Studienabbrecher gilt, ist nicht zuletzt die Politik überzeugt. Im Januar hat Bundesbildungsministerin Johanna Wanka ein bundesweites Konzept angekündigt, um Studienabbrecher für Handwerksberufe zu gewinnen. „Wir brauchen einen engeren Kontakt zwischen Studienabbrechern sowie den Kammern und Unternehmen, damit diese schnell zueinander finden. Dazu werden wir Pilotprojekte starten“, sagte sie der „Welt am Sonntag“.

Auch das Handwerk selbst wirbt verstärkt um Studienabbrecher und Gymnasiasten. Laut einer Umfrage des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), unterstützt über die Hälfte der Handwerkskammern in Deutschland bereits Kooperationsprojekte mit Hochschulen, um Nachwuchs für ihre Betriebe zu gewinnen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich in den nächsten zehn Jahren etwa 20.000 Handwerksunternehmer in den Ruhestand verabschieden werden und daher mehr oder weniger dringend einen Nachfolger suchen – laut ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer birgt dies „ein immenses Potenzial für Fach- und Führungskarrieren und für innovative Köpfe“.

Universitäten ergreifen die Initiative

Auch die Universitäten selbst gehen in die Offensive, was die hohe Zahl der Studienabbrecher in ihren Reihen angeht. An der Hochschule Bremerhaven wurde beispielsweise bereits seit einiger Zeit ein so genannter „Studienführerschein“ eingeführt, der den Übergang von der Schule ins Studium erleichtern soll. Als Ergänzung zu den bereits etablierten fachlichen Vorbereitungskursen sollen hierbei Interesse, Motivation und soziale Kompetenzen wie Selbst- und Zeitmanagement gestärkt werden.

Auch was das rein Fachliche angeht, gibt es oft Missverständnisse und Fehleinschätzungen, die dann über kurz oder lang zum Studienabbruch führen. Angezogen von der Aussicht auf einen sicheren und gut dotierten Job stürzen sich viele Abiturienten in ein Studium, das gar nicht ihren Interessen entspricht. So hat beispielsweise nur die Hälfte angehenden Ingenieure Mathe als Leistungskurs gehabt. Ein spannendes Interview mit Mathematikprofessor Herold Dehling zeigt auf, was angesichts dieser Gemengelage getan werden kann, um die Abbrecherquote zu senken.

Übersicht über Projekte und Initiativen

Eine gute Übersicht über alle Modellprojekte und Initiativen, die derzeit in Deutschland für ausbildungswillige Studienabbrecher angeboten werden, bietet das Webportal der Initiative „Berufliche Bildung – praktisch unschlagbar“.

Wie der Weg vom Studienabbrecher zum Handwerker in der Realität aussehen kann, zeigt auch dieser Beitrag der Deutschen Welle:

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