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„Firmen sollten nicht immer in höher, schneller, weiter denken“: Gesundheitsexperte Slatco Sterzenbach im Interview

Der 17-fache IRONMAN Finisher Slatco Sterzenbach ist Motivationstrainer, Diplom-Sportwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Prävention und Rehabilitation und Bestseller-Autor.

Der 17-fache IRONMAN Finisher Slatco Sterzenbach ist Motivationstrainer, Diplom-Sportwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Prävention und Rehabilitation und Bestseller-Autor.

Viele Menschen arbeiten auf Kosten ihrer Gesundheit, wie eine jüngst veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung zum Thema Stress am Arbeitsplatz unterstreicht: 18 Prozent der befragten Vollzeitbeschäftigten stoßen oft an ihre Leistungsgrenzen, nahezu ein Viertel arbeitet ohne regelmäßige Pausen und jeder Achte kommt bisweilen krank zur Arbeit. Doch ganz klar: Wer auf längere Sicht leistungsfähig sein will, muss seinen Grundbedürfnissen mehr Beachtung schenken – auch und gerade im Arbeitsalltag.

Slatco Sterzenbach, Experte für Motivation und Lebenskraft, ist ein Spezialist für die Erschließung von Energiequellen. Sein Rezept für einen perfekten Tag im Unternehmen stellt er am Dienstag, 19. Mai, auf der Corporate Health Convention in Stuttgart vor. Wir sprachen mit ihm schon einmal vorab über die richtige Portion Schlaf, die guten und verhängnisvollen Seiten von Disziplin und Ritualen sowie seinen persönlich favorisierten Tagesablauf.

Herr Sterzenbach, in einem Medienbericht war kürzlich zu lesen, dass immer mehr Manager schon um 4 oder 5 Uhr aufstehen – etwa um E-Mails zu checken, Zeitung zu lesen oder joggen zu gehen. Ist das aus Ihrer Sicht gut und gesund?

Das kommt ganz darauf an, wann sie schlafen gegangen sind. Meine Erfahrung ist, dass viele Führungskräfte nicht entsprechend früh zu Bett gehen, also weniger als sechs Stunden schlafen. In dieser kurzen Zeit können aber nur die wenigsten sehr gut regenerieren. Im Normalfall kommt das ganze Hormonsystem durcheinander, Stresshormone werden vermehrt ausgeschüttet und es kann zu Folgeerscheinungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall kommen. Das merken wir nicht heute, sondern meist erst, wenn es zu spät ist. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass Menschen, die weniger als sechs Stunden schlafen – also chronisch – im Durchschnitt drei Jahre früher sterben. Das ist dann nicht wirklich eine Zeitersparnis.

Sechs Stunden Schlaf ist also das Minimum?

Das ist das Minimum, siebeneinhalb Stunden wären optimal. Wenn Menschen ohne Wecker aufwachen, sind sie sogar eher bei neun Stunden. Aber das ist typbedingt, auch eine Frage der Gewohnheit und abhängig davon, wie viel Stress jemand am Tag hat. Kompensiert werden kann es vielleicht durch ein oder zwei Power-Naps. Ich bin ja auch viel unterwegs. Was machen Manager im Flieger? Ein Nickerchen.

Wann sind Sie denn heute aufgestanden?

Ich bin um 6.30 Uhr aufgestanden und war gestern um Viertel vor 11 Uhr im Bett. Das heißt ich bin auf meine siebeneinhalb Stunden Schlaf gekommen.

Es heißt: Der frühe Vogel fängt den Wurm – sind Frühaufsteher leistungsfähiger, wie einige Studien nahelegen? 

Das hängt davon ab, in welchem gesellschaftlichen Kontext ich mich bewege. Wenn ich in um sieben oder acht Uhr im Büro sein muss, ist es natürlich sinnvoll, mich dahin zu konditionieren. Wenn ich aber ein kreativer Künstler bin und feststelle, dass ich am Abend mehr Ideen habe, ist es okay, wenn ich länger schlafe. Es geht ja um die Schlafmenge. Untersuchungen zum Biorhythmus legen allerdings nahe, vor Mitternacht ins Bett zu gehen. Das ist der einzige Parameter, den man noch hinzuziehen kann.