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„Firmen sollten nicht immer in höher, schneller, weiter denken“: Gesundheitsexperte Slatco Sterzenbach im Interview

Auf der anderen Seite sind Sie Extremsportler, haben 17-mal den Ironman absolviert: Wie passt das zu ihrer Absage an schneller, höher, weiter?

Ich bin heute nicht mehr Extremsportler, ich mache aber noch jeden Tag meinen Sport, weil es mir einfach gut tut. Das Faszinierende am Hochleistungssport ist, dass der Körper so anpassungsfähig ist. Ich habe beim Training aber immer sehr auf mich geachtet, auf meine Ernährung, habe mir Massagen und viel Schlaf gegönnt. Extremsport hört sich ja immer so schlimm an und Ironman, natürlich, der Tag selber, die zehn Stunden, das ist purer Stress für den Körper. Danach habe ich immer drei Monate Regenerationszeit eingeplant, weil das Nervensystem sehr belastet wird. Sie geben ja zehn Stunden lang intensivste Impulse ins Gehirn. Das wissen viele nicht, selbst viele geübte Marathonläufer fangen schon nach zwei Wochen wieder an zu laufen. Das ist zu früh.

Ich denke, Extremsport ist in der heutigen Zeit auch für viele eine Form, sich selbst zu spüren, ein bisschen Abenteuer zu empfinden, Adrenalin zu produzieren. Beim Coachen habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich viele Manager nicht mehr spüren. Und das ist es auch, was wir wieder lernen dürfen, in uns hineinzuhorchen, hinzuspüren, was tut mir wirklich gut? Letztendlich können Sie alle Themen, die ich im Coaching oder in meinen Seminaren bediene, im Bereich Motivation, Bewegung, Ernährung und Entspannung unter einem Begriff zusammenfassen: Achtsamkeit. In jedem Moment wahrzunehmen, was ich tue und wahrzunehmen, fühlt sich das gut an? Das gilt für mich zum Beispiel auch im Umgang mit Menschen: Gibt dieser Mensch mir Energie oder ist das ein Energievampir, der mir eine ganze Stunde nur von seinen Problemen erzählt? Das brauche ich nicht, da gehe ich weg. Ich frage immer nach der Lösung.

Wie sieht Ihr perfekter Tag aus? Können Sie das einmal ganz kurz skizzieren?

Wenn ich zuhause bin, stehe ich gegen 7 Uhr auf und trinke erstmal zwei große Gläser heißes Wasser, um mein Verdauungssystem durchzuspülen und mein Wasserreservoir aufzufüllen. Dann kommt für mich die sogenannte Stunde der Kraft, das heißt, ich mache 15 Minuten Yoga, arbeite anschließend mit der Blackroll, das ist eine Art Selbstmassage. Danach meditiere ich 15 Minuten, und plane dann circa 15 Minuten meinen Tag nach dem Motto: Was sind die Dinge, die ich heute voranbringen möchte? Was ist meine Kröte, also der größte Brocken, den ich möglichst schnell, als Erstes, erledigen möchte? Dann nehme ich mir noch zehn Minuten Zeit, um meine Endergebnisse zu visualisieren. Die meisten Menschen laufen ja herum, ohne ein Bild davon zu haben, wo sie hinmöchten, und wundern sich dann darüber, wo sie ankommen.

Dann gibt es für mich eine Stunde der Inspiration, so nenne ich das, in der ich mich 30 Minuten fortbilde, mir gute Videos angucke, etwa über Ted.com. Anschließend erschaffe ich selbst etwas, also zum Beispiel Content für meinen neuen Blog, oder schreibe an meinem Buch. Dann gibt es To Dos, vor allem organisatorische Dinge im Büro, E-Mails checken, mit Kunden telefonieren, Telkos vereinbaren, mittags einen Lunch und einen Power-Nap, der gehört immer dazu, danach einen Espresso und ein Stück Zartbitter-Schokolade. Nachmittags dann wieder Büro und anschließend Sport, abends Freizeit.

Das klingt nach einer runden Sache.

Ja, ist es auch. Das macht wirklich Spaß.

Herr Sterzenbach, wir danken für das interessante Gespräch.

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