Menü

Mental Coach Antje Heimsoeth: Was wir im Beruf von Spitzensportlern lernen können

Antje Heimsoeth ist Trainerin, Mental Coach und Buchautorin in den Bereichen Sport, Teamtraining, Führung und Management.

Antje Heimsoeth ist Trainerin, Mental Coach und Buchautorin in den Bereichen Sport, Teamtraining, Führung und Management.

Antje Heimsoeth war früher selbst Leistungssportlerin. Heute berät sie als Mental Coach nicht nur Sportler und Trainer, sondern auch Klienten aus dem Business-Bereich in allen Fragen rund um die Themen mentale Stärke, Selbstführung und Motivation.

Am Freitag, 26. September, erklärt sie in ihrem Keynote-Vortrag bei job and career for women in Wien, wie man die Erfolgsrezepte aus dem Sport auch auf das Berufsleben übertragen kann.

Im Gespräch mit uns gibt sie einen ersten Einblick in das Thema und zeigt auf, welche Hürden gerade Frauen auch heute noch nehmen müssen, um nach oben zu kommen.

Frau Heimsoeth, warum sind Frauen Ihrer Meinung nach noch immer die Ausnahme in Führungspositionen?

Wie ich beobachte, haben Männer immer noch einen größeren Vertrauensvorschuss und gelten unabhängig von ihrer Leistung per se erst einmal als tauglich, bis sich das Gegenteil herausstellt. Frauen hingegen müssen sich erst noch einmal beweisen, bevor man sie anerkennt.

Und auch die eigene Einstellung spielt eine Rolle. Es gibt psychologische Studien, die belegen, dass Frauen ihre Begabungen und Fähigkeiten eher unterschätzen, während Männer ihre Kompetenzen eher überschätzen. Dadurch machen Frauen dann auch oft nicht genug auf sich aufmerksam und werden im entscheidenden Moment einfach übersehen.

Kann man das denn wirklich so pauschalisieren?

Ich denke schon, zumindest wenn ich das reflektiere, was ich in meinen Coachings erlebe: Weniger Durchsetzungsvermögen, weniger Führungssicherheit und weniger Erfolgsorientierung im Sinne von knallharter Karriere. Frauen sind zurückhaltender, vorsichtiger, und – das sagt man ja auch allgemein – auch tatsächlich im Durchschnitt emotionaler als Männer.

Sind Frauen also einfach zu nett und zu bescheiden, um an die Spitze zu kommen?

Vor allem tappen viele Frauen noch immer in die Falle, dass sie auf jeden Fall gemocht werden möchten, anstatt ihre Position klar zu äußern. Das wollen auch Männer, aber sie gehen viel seltener davon aus, dass man sie gleich nicht mehr leiden kann, nur weil sie etwas Unbequemes sagen.

Aber natürlich gibt es auch Gebiete, auf denen Frauen den Männern etwas voraushaben. Ein Beispiel das Thema Empathie. Frauen verfügen über eine bessere Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Daher sind sie für mich auch im Mittel die besseren Teamplayer.

Muss man denn sportlich sein, um von Spitzensportlern lernen zu können?

Nein, natürlich nicht. Der Bezug zum Spitzensport hat vielmehr etwas mit Selbstführung, Selbstregulation und Selbstmanagement zu tun – denn nur wer sich selbst führen kann, kann andere führen. Anknüpfungspunkte gibt es auch, was die die Stressbewältigung, den Umgang mit Emotionen, das Training der Vorstellungskraft, die Gedankenhygiene, das Training der Selbstwahrnehmung und die Erholung und Regeneration angeht.

Es geht also nicht um die Fähigkeiten, die für eine bestimmte Sportart benötigt werden, sondern um grundlegende Kompetenzen?

Ganz genau. Die Idee ist zum Beispiel: Ich muss – genau wie ein Spitzensportler – auf meine Erholung und Regeneration achten.

Und wenn ich stinkwütend bin, ist das nicht nur im Sport wenig förderlich, sondern ich werde auch kaum in einem Meeting glänzen können. Wenn ich also ein ärgerliches Telefonat hatte, muss ich schauen, wie ich von Tür zu Tür wieder in einen besseren Zustand komme. Das alles kann man vom Sport sehr gut lernen.

Was unterscheidet Ihrer Erfahrung nach einen erfolgreichen Sportler mental von einem weniger erfolgreichen?

Wichtig für den Erfolg ist es auf jeden Fall, sich konkrete, positive, interessante und herausfordernde Ziele zu setzen, auf die man hinarbeitet. Diese Ziele sollten dann mittels einer Zielcollage oder Zielvisualisierung verankert werden. Das heißt: Man stellt sich die Ziele so oft vor dem geistigen Auge vor wie möglich. Wir kennen das ja alle als „Kopfkino“.

Sich ständig mit anderen zu vergleichen oder ein Ergebnisziel erreichen zu wollen, führt oft dazu, dass Leute einbrechen und ihr Selbstvertrauen leidet. Viel besser ist es, einfach sein Bestes zu geben und auf ein so genanntes Handlungsziel hinzuarbeiten. Mehr als das Beste kann man ja ohnehin nicht geben. Das gilt im Sport genauso wie im Berufsalltag.

Click to tweet: Interview mit @AntjeHeimsoeth, Keynote bei #JCWA: Was wir im #Beruf von Spitzensportlern lernen können. http://bit.ly/1vk6fwx #Karriere