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Industrie 4.0: Flexibel agierende Problemlöser mit digitalen Kompetenzen gesucht

Industrie 4.0: Bedarf an Technikspezialisten wird weiter steigen

Foto: Pixabay.com

Technikspezialisten und Ingenieure, die in der Industrie 4.0 Fuß fassen möchten, können weiterhin beruhigt in die Zukunft blicken: Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind nach wie vor hervorragend. Laut dem aktuellen Fachkräfteatlas der Online-Jobbörse StepStone richtet sich jede fünfte Stellenausschreibung in Deutschland an Ingenieure und Fachkräfte aus technischen Berufen, die damit aktuell an der Spitze aller Berufsgruppen stehen.

„Die hohe Nachfrage zeigt, dass die steigende Bedeutung von Industrie 4.0 qualifizierte Fachkräfte keineswegs ersetzt. Im Gegenteil: Die Digitalisierung verstärkt insbesondere den Bedarf an Fachkräften mit IT-Kenntnissen, die zusammen mit hoch qualifizierten Technikern die Entwicklung der deutschen Industrie vorantreiben“, erklärt Dr. Anastasia Hermann, Arbeitsmarkt-Expertin bei StepStone.

Bedarf an Fachkräften wird in der Industrie 4.0 weiter ansteigen

Diesen Trend bestätigt auch eine Umfrage des VDE Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik anlässlich der HANNOVER MESSE 2016. 92 Prozent der VDE-Mitgliedsunternehmen und Hochschulen der Elektro- und Informationstechnik gaben an, dass Hochschulabsolventen und Young Professionals der Elektro- und Informationstechnik glänzende Berufsaussichten im Markt hätten. Lediglich neun Prozent der Unternehmen seien der Auffassung, ihren Bedarf an Ingenieuren der Elektro- und Informationstechnik in den nächsten Jahren decken zu können.

Dieses Phänomen lässt aufhorchen, denn neun von zehn befragten Unternehmen und Hochschulen sind überzeugt, dass der Trend zu Industrie 4.0, Smart Grid, Smart Cities und Elektromobilität den Bedarf an Fachkräften weiter erhöhen wird. Bei sieben von zehn Mitgliedsunternehmen soll der Anteil an Ingenieuren der Elektro- und Informationstechnik an der Belegschaft in den nächsten Jahren deutlich anwachsen.

Bei der Qualität der Ausbildung dürften aber trotz des Fachkräftemangels keine Abstriche gemacht werden, fordern die Entscheider der Elektro- und IT-Branche. 74 Prozent möchten den Studienabschluss „Diplom-Ingenieur“ als Qualitätsmarke erhalten und fordern, diesen neben den neuen Bachelor- und Master-Abschlüssen deutlich sichtbar zu machen. 68 Prozent wünschen sich Nachbesserungen und eine genaue Überprüfung der Bachelor- und Master-Studiengänge, um eine hohe Ausbildungsqualität sichern zu können.

Keine Industrie 4.0 ohne Bildung 4.0

Um die Industrie 4.0 nachhaltig umsetzen und den Bedarf an Fachkräften sichern zu können, sei es außerdem bitter nötig, in eine digitale Bildungs- und Qualifizierungsoffensive für Deutschland zu investieren, fordert Ralph Appel, Direktor und geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VDI Verein Deutscher Ingenieure sowie Herausgeber der VDI nachrichten.

Das föderale Bildungssystem sei mit den technischen Anforderungen von heute und morgen noch nicht kompatibel, sagt Appel und sieht daher den Bund in der Pflicht, mehr Verantwortung zu übernehmen. Allein im Schulbildungswesen rechnet Appel mit einem zusätzlichen Investitionsbedarf von rund zwei Milliarden Euro jährlich.

Digitaler Nachholbedarf in Schulen ist groß

Industrie 4.0: Bedarf an Technikspezialisten wird weiter steigen

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„Die Vermittlung von Digitalkompetenz muss spätestens in der Schule beginnen“, erklärt Appel. „Leider ist unser Bildungssystem zurzeit nicht in der Lage, Schülerinnen und Schüler auf das digitale Zeitalter vorzubereiten. Ein internationaler Vergleich zeigt: In keiner anderen Industrienation nutzen Lehrpersonen seltener neue Technologien im Unterricht als in Deutschland.“

Industrie 4.0, Big Data, Cloud Computing oder das Internet der Dinge – diese Schlagwörter verkämen zu Floskeln, wenn junge Menschen nicht über entsprechende Kompetenzen und Ausstattungen verfügten. Appel weiter: „Dabei geht es uns nicht um das passive und oberflächliche Konsumieren von Facebook, WhatsApp und Co. Es geht um Bildungseinrichtungen, die junge Menschen darin befähigen, als mündige Akteure die digitale Zukunft kreativ mitzugestalten.“

Der Nachholbedarf in den Schulen ist also groß: Es fehlt an qualifiziertem Lehrpersonal, an ausreichender Ausstattung und flächendeckendem IT-gestützten Unterricht.

Auch Arbeitnehmer müssen an ihrer Digitalkompetenz feilen

Um den Anschluss an die Big Player der Industrie 4.0 nicht zu verlieren, müssen laut VDI gerade kleine und mittelständische Unternehmen in der Lage sein, die Digitale Transformation mitzugestalten und umzusetzen. Unternehmen sollten dringend in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren und lebenslanges Lernen konsequent und systematisch fördern und fordern.

Dies sei bitter nötig, denn Berufsprofile und die Rolle der Mitarbeiter würden sich künftig stark verändern: „Sie [die Mitarbeiter] werden immer mehr zu flexibel agierenden Problemlösern. Die Entwicklung neuer Berufsbilder und passender Angebote zur Qualifizierung muss dringend vorangetrieben und neue Weiterbildungsmodelle müssen eingeführt werden“, erklärt Dr.-Ing. Kurt D. Bettenhausen, Vorsitzender des interdisziplinären VDI-Gremiums Digitale Transformation.

Eine generationen- und branchenübergreifende Offenheit für Weiterbildung und digitale Qualifizierung ist also dringend erforderlich, wenn die deutsche Industrie auch künftig im globalen Markt ganz vorne mitspielen möchte.


Zur Sicherung des Fachkräftebedarfs trägt unter anderem auch die Recruiting-Plattform „job and career at HANNOVER MESSE 2016“ bei. Noch bis zum 29. April präsentieren sich auf der größten Industrieschau der Welt attraktive Arbeitgeber wie ENERCON und PHOENIX CONTACT in Halle 17 und halten nach talentierten sowie motivierten zukünftigen Mitarbeitern Ausschau.