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Industrie 4.0: Ingenieure müssen interdisziplinäre Teamplayer sein

Industrie 4.0: Ingenieure müssen interdisziplinäre Teamplayer sein

Foto: iStock

Die Welt der Arbeit wird sich im Zuge der allgegenwärtigen Digitalisierung und dem damit einhergehenden Zeitalter der Industrie 4.0 radikal verändern. Die Vernetzung von Kompetenzen und Komponenten spielt dabei eine Hauptrolle: Die klassische Fertigungsindustrie, das Internet und die Informations- und Kommunikationstechnologie wachsen zusammen und bilden eine neue, effiziente und „smarte“ Fabrik.

Ingenieure sitzen dabei oft an einer Schnittstelle und haben die schwierige Aufgabe, über die Grenzen ihrer eigentlichen Kompetenzen hinaus, interdisziplinär und vernetzt zu arbeiten. Für sie ist es in Anbetracht des technologischen Wandels und der Omnipräsenz der Informationstechnologien außerdem notwendig, ein gutes Verständnis für digitale Produkte und ein IT-Basis-Wissen zu entwickeln.

Um mit den neuen Technologien schritthalten und mit ihnen Neues schaffen zu können, müssen sich industrielle Fachkräfte ein entsprechendes Know-how aneignen – und das so bald wie möglich. Das bestätigt auch eine Studie des Instituts für Innovation und Technik (iit), die sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt beschäftigt.

Digitalisierung schafft neue Technologien und kreative Freiräume

Im Rahmen der Tagung „Industrie 4.0“ hat die VDI/VDE-Gesellschaft für Mess- und Automatisierungstechnik (GMA) in Düsseldorf die Studien-Ergebnisse analysiert:

Zunächst kann die Studie beruhigen: Das ‚Schreckgespenst‘ der Digitalisierung als Auslöser von massiven Arbeitsplatzverlusten ist ’noch‘ nicht erkennbar: „In der von uns in Auftrag gegebenen iit-Studie bestätigt sich, dass die Umfänge der digitalen Tätigkeiten in den einzelnen Berufsgruppen bislang noch keine Auswirkungen auf die Entwicklung der Beschäftigung gehabt haben“, berichtet Dr.-Ing. Dagmar Dirzus, Geschäftsführerin der VDI/VDE-Gesellschaft für Mess- und Automatisierungstechnik (GMA).“ Das kleine Wörtchen ’noch‘ impliziere aber, dass dringend gehandelt werden müsse, um den Traum einer digitalisierten Arbeitswelt nicht in einen Alptraum zu verwandeln.

Die Unternehmen müssten rasch umdenken und sich auf den technischen Fortschritt einlassen: Dringender Handlungsbedarf bestünde in Sachen Arbeitsorganisation und in deren notwendiger Neuausrichtung am Markt, welche auch die Möglichkeit der Digitalen Transformation mit einschlösse, sagt die GMA-Vorsitzende. Auch die Beschäftigten müssten natürlich auf neue Aufgaben vorbereitet werden, die sich aufgrund des technischen Fortschritts ergeben.

„Gerade die mit der Digitalen Transformation einhergehenden technologischen Innovationen bieten uns Gestaltungsfreiheiten und Wahlmöglichkeiten. Sie lassen einerseits neue Produktionstechnologien und -organisationen zu, andererseits schaffen sie Freiräume für die Nutzung menschlicher Kreativität. Wir müssen uns diese Freiräume jedoch mit den richtigen Entscheidungen in Bezug auf die Wertschöpfungsprozesse, die soziotechnischen Systeme, die Arbeitsorganisation und die Managementsysteme erst noch erarbeiten“, so Dirzus.

Industrie 4.0: Eine stille Revolution der Arbeitsweise

Unternehmen müssen also ihre Art der Produktion und die bisherige Arbeitsweise auf immer komplexere und interdisziplinäre Produkte anzupassen. In der Industrie 4.0 müssen mehrere Komponenten optimal ineinandergreifen. Einzelne Bestandteile sind eng miteinander verzahnt und gehen sogar fließend ineinander über. Bei eventuellen Schäden an einem Teil des Systems kann dieses kaum getrennt von den anderen Komponenten betrachtet, geschweige denn einfach ersetzt werden. Ingenieure müssen also lernen, über den Tellerrand ihrer Kernkompetenzen hinwegzusehen und mehrere Disziplinen miteinander zu verknüpfen.

Dazu ist allerdings eine völlig neue Arbeitsweise nötig, ist Volker Lippitz, Principal Consultant bei der europäischen Technologie- und Innovationsberatung „Invensity“, überzeugt: „Bis vor zehn Jahren krempelte der klassische Ingenieur einfach seine Ärmel hoch und begann zu arbeiten. Dieses informelle Arbeiten rein im eigenen Aufgabenbereich funktioniert heute nicht mehr. Dazu sind die Projekte viel zu groß angelegt.“ Er weist darauf hin, dass nahezu unbemerkt eine Art stille Revolution der Arbeitsweise in der Industrie in Kraft getreten ist: „Heute mehr denn je sind Unternehmen gezwungen, ihre Produkte besser, schneller und kostengünstiger zu liefern. Darüber hinaus werden die Produkte durch die Zunahme interdisziplinärer Herausforderungen immer komplexer.“

Eine vom Team- und Systemgedanken geprägte Arbeitskultur ist gefragt

Um die Schnittstellen zwischen allen beteiligten Bereichen sicher handhaben zu können, braucht es nicht nur ein umfassendes Spektrum an Prozessen, Methoden und Tools, sondern auch eine Arbeitskultur, die vom Team- und Systemgedanken geprägt ist, erklärt Lippitz. Der Lohn dafür sei ein reibungsloser Projektablauf mit deutlich weniger Entwicklungsfehlern.

Lippitz rät Unternehmen, mögliche Folgen eines schlechten Projektmanagements mit einer neuen, angepassten Arbeitsweise konsequent entgegenzutreten: „Die Arbeitsrealität hat sich vor allem in der zeitgetriebenen Industrie schon längst geändert. Die Frage ist jetzt bloß, welches Unternehmen es schafft, die Arbeitsweisen auf der täglichen Arbeitsebene anhaltend zu verändern, und welche es nur auf dem Papier der Prozessbeschreibung erreichen. Letztere werden sich in wenigen Jahren selbst aus dem Markt ausschließen, denn die Produktkomplexität und somit die Fehlerkosten bei Nichtbeherrschung werden weiter steigen.“

Vernetzung ist Leitthema der HANNOVER MESSE 2016

Vernetzung und Interdisziplinarität sind auch für den weltweit wichtigsten Industrie-Branchentreff die ausschlaggebenden Stichwörter: Unter dem Motto „Integrated Industry – Discover Solutions“ startet in weniger als zwei Wochen die HANNOVER MESSE 2016 und stellt vom 25. April bis 29. April die intelligente sowie voll vernetzte Fabrik der Zukunft in den Vordergrund.

Um diese „smarte“ Fabrik am Laufen zu halten, benötigen Unternehmen kreative Mitarbeiter, die fähig sind, Arbeitsbereiche miteinander zu verknüpfen und einen Überblick über die verschiedenen Disziplinen zu behalten. Arbeitgeber suchen händeringend nach solchen Fachkräften, zum Beispiel auf der Recruiting-Plattform job and career at HANNOVER MESSE 2016. Dort können Unternehmen und Jobinteressierte erste Kontakte knüpfen und daraus möglicherweise eine erfolgreiche Zusammenarbeit generieren.