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JOBWECHSEL: ENTSCHEIDUNGSHILFEN FÜR GEHEN ODER BLEIBEN

Quelle: Hays AG

Wenn Sie morgens bereits mit einem unguten Gefühl aufstehen, weil Sie zur Arbeit müssen, ist es an der Zeit, über einen Jobwechsel nachzudenken. Aber auch zufriedene Arbeitnehmer denken durchaus über einen Arbeitsplatzwechsel nach. Laut einer forsa-Studie 2016 waren mehr als 80 Prozent aller Arbeitnehmer zufrieden, dennoch spielte mehr als ein Drittel mit dem Gedanken, den aktuellen Arbeitsplatz zu verlassen.

Sechs Prozent der forsa-Studie hatten sich 2016 bereits konkret mit ihrem Jobwechsel befasst. Gründe zum Wechseln gibt es viele. Wann ist es aber an der Zeit, zu gehen? Und warum sollten Sie manchmal besser doch im aktuellen Job bleiben?

Häufiger Grund für einen Jobwechsel: (Fehlende) Anerkennung

Sie arbeiten schon länger im Unternehmen, Beförderungen sind bisher aber immer an Ihnen vorbeigegangen? Zunächst sollten Sie wissen, dass erfahrungsgemäß in den ersten zwei bis fünf Jahren in einem Job an einen Aufstieg nicht zu denken ist. Das hängt allerdings maßgeblich vom jeweiligen Arbeitgeber ab.

Wenn Sie viele Ihrer Kollegen karrieretechnisch an sich vorbeiziehen sehen, stellen Sie sich die Frage nach dem „Warum“:

– Zeigen Ihre Kollegen mehr Einsatz?

– Erzielen sie eine bessere Leistung bzw. bessere Ergebnisse?

– Haben Sie in der Vergangenheit Chancen vorüberziehen lassen?

– Verhalten Sie selbst sich als Führungspersönlichkeit?

Denken Sie immer erst darüber nach, was Sie ändern können, um die gewünschte Beförderung zu bekommen. Denn in einem anderen Unternehmen würde Ihr Karriereweg wahrscheinlich aus den gleichen Gründen stagnieren. Also kein Grund, gleich die Kündigung einzureichen.

In der Studie „Jobmonitor 2015“ von Ernst & Young zeigte sich, dass mehr als die Hälfte aller Befragten gar keine Aufstiegschancen im eigenen Unternehmen sieht. Das ist vielleicht aber auch ein Trugschluss. Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten offen über Ihre Karriereziele und Ihren Wunsch, sich weiterzuentwickeln. Kann das Unternehmen dies mittel- bis langfristig nicht bieten, schauen Sie sich nach Alternativen außerhalb der Firma um.

Arbeitsklima und Wohlfühlfaktor

Ihr Aufgabengebiet macht Ihnen Spaß, Sie gehen erfüllt zur Arbeit. Doch Ihr Vorgesetzter kritisiert Sie leider ständig und behandelt unfair. Gegebenenfalls haben Sie auch Kollegen, mit denen Sie überhaupt nicht klarkommen. Das kann einem die Freude am Job schon einmal nehmen.

Hier müssen Sie je nach Situation entscheiden, ob es sich lohnt, ein Gespräch mit Kollegen oder dem Vorgesetzten zu führen. In der vorhin zitierten forsa-Studie antworteten immerhin fast alle Befragten (98 %) auf die Frage nach der Wechselmotivation, dass sie sich in einem anderen Unternehmen ein besseres Betriebsklima erhoffen, und nannten das Verhalten des Vorgesetzten als Grund für einen Arbeitgeberwechsel. Nicht weniger relevant waren weitere weiche Faktoren wie flexible Arbeitszeiten und Familienfreundlichkeit.

Sollte dies auf Sie zutreffen, gehen Sie folgendermaßen vor:

– Sprechen Sie offen an, dass Sie sich unwohl im Kollegenkreis fühlen. In vielen Unternehmen gibt es sogar Mediatoren, die Ihnen in solchen Situationen zur Seite stehen können.

– Suchen Sie das Gespräch mit Ihren Vorgesetzten. Bleiben Sie sachlich und äußern Sie Ihren Eindruck, ständig unter Beschuss zu stehen. So klärt sich der Sachverhalt oftmals schnell auf und einem kollegialen Arbeiten steht nichts mehr im Wege.

Wenn die Situation allerdings nicht zu lösen ist oder nicht nur ein temporäres Tief darstellt, entscheiden Sie sich auf jeden Fall für einen Jobwechsel. Denn wer glücklich im Job ist, kann auch produktiver arbeiten und wird so erfolgreicher. Ein positiv gestimmtes Gehirn ist um bis zu 31 Prozent produktiver, so Shawn Anchor, ehemaliger Harvard-Professor und Motivationscoach.

Aufgabenschwerpunkt und berufliche Herausforderung

Aber nicht nur die eben genannten Faktoren gehören zum Glücklichsein bei der Arbeit. Auch der Inhalt Ihrer Tätigkeit ist relevant. Wo manch einer die Routine liebt, wird es einem anderen schnell zu langweilig. 2015 führte das Bundesarbeitsministerium eine Studie zur Arbeitsqualität in Deutschland durch. 72 Prozent der rund 7000 Befragten gaben an, dass eine Veränderung der Arbeitsinhalte ausschlaggebend für ihren Wechsel in den neuen Job gewesen sei.

Überprüfen Sie also, ob es sich bei Ihnen lediglich um kurzfristige, wiederkehrende Aufgaben handelt, die Sie einfach nicht gern erledigen. Ich musste z. B. in einem früheren Job an jedem letzten Tag des Monats Umbuchungen machen und die Kontoführung prüfen. Ein schrecklich langweiliger Tag jeden Monat – jedoch nur ein Tag, der schnell vergessen war.

Haben Sie allerdings den Drang, Neues zu lernen, und machen dennoch seit drei Jahren jeden Tag das Gleiche, sollten Sie etwas unternehmen. Schauen Sie sich nach neuen Aufgaben um, fragen Sie nach Weiterbildungen oder Sonderprojekten. Werden Ihnen diese im aktuellen Job nicht ermöglicht, suchen Sie sich einen Arbeitgeber, der Ihre Weiterentwicklung unterstützt.

Gehalt und Gesamtvergütung

Wer glücklich bei der Arbeit ist, ist auch erfolgreicher. Klick um zu Tweeten Und wer erfolgreicher ist, wird eher für eine Gehaltserhöhung berücksichtigt. Eine Infografik auf Statista.com zeigt, dass eine schlechte Bezahlung – mit 61,6 % – oftmals Wechselmotivator Nummer eins ist

Nun gibt es aber einen Unterschied zwischen einer gefühlt schlechten Bezahlung und einer tatsächlichen Benachteiligung. Vergleichen Sie sich nicht direkt mit Kollegen, denn Sie kennen oft deren Werdegang nicht oder können den Arbeitserfolg vielleicht nicht genau beurteilen. Informieren Sie sich über neutrale, unabhängige Quellen, z. B. über den Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, und vergleichen Sie Ihr Gehalt mit der aktuellen Marktlage. Bei vielen Arbeitgebern gelten Tarifverträge oder es gibt feste Gehaltsbänder, an die Sie (und das Unternehmen) gebunden sind. Hier können Sie gut abschätzen, wie sich Ihre Bezahlung in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Sprechen Sie Ihre Unzufriedenheit auch bei Ihren Vorgesetzten an. Fragen Sie (sich), ob Sie selbst etwas tun können, wie beispielsweise Zusatzqualifikationen zu erlangen. Wussten Sie, dass Sie bei einem Arbeitgeberwechsel mit einer Gehaltssteigerung von bis zu 15 Prozent rechnen können?

Doch Vorsicht: Kalkulieren Sie hier die erneute Probezeit, also eine Unsicherheit, und auch Zusatzleistungen Ihres jetzigen Arbeitgebers mit ein.

Worauf es am Ende bei einem Jobwechsel ankommt

Hier sind nur vier Faktoren aufgeführt, die einen Wechsel in eine neue Firma begünstigen können. Eine Garantie für ewige Glückseligkeit gibt es auch bei einem neuen Arbeitgeber nicht. Nicht umsonst wechseln 60 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland mehrfach (ein- bis fünfmal im Laufe ihrer Karriere) ihren Arbeitgeber. Sie sollten die Gründe sehr gut abwägen und vor allen Dingen beurteilen, ob es sich bei Ihnen um eine temporäre Unzufriedenheit oder gar um persönliche Befindlichkeiten handelt, bevor Sie kündigen.

Nur weil Sie beispielsweise von Ihrem Chef kritisiert werden, ist Ihr Arbeitsplatz nicht gleich schlecht. Am Ende ist es wichtig, dass Sie sich mit Ihrer aktuellen oder auch der neuen Position identifizieren können. Schließlich verbringen Sie einen großen Teil Ihres Tages bei der Arbeit.

Wie Sie Ihren Wunscharbeitgeber finden und weitere Karrieretipps können Sie im Hays-Karriere-Center  nachlesen.

Autor: 
Katharina Hain
Senior Department Manager Recruitment Management
HAYS Recruiting experts worldwide

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