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Kommunikation: Probier’s mal mit Gemütlichkeit

Kommunikation: Rhetorik-Crashkurs mit Isabel García

Kommunikationsexpertin Isabel García ist überzeugt: Jeder kann reden! Foto: Julia Grudda.

„Oh Gott, ich muss einen Vortrag halten! PAAANIK!“ So oder so ähnlich fühlen sich sicherlich viele, die kurz davor stehen, vor mehreren Leuten sprechen zu müssen. Schweißnasse Hände, zitternde Stimme, Schnappatmung – in wenigen Augenblicken muss man vor die Menge treten…

Viele Menschen behaupten von sich, keine guten Redner zu sein und fühlen sich bei Vorträgen oder Referaten stets unwohl. Wohin mit den Händen, wie halte ich meine Zuhörer bei Laune, was tun gegen Lampenfieber?

Auf diese Fragen hat Kommunikationsexpertin Isabel García eine ganz einfache Antwort: „Probier’s mal mit Gemütlichkeit!“ Sie ist überzeugt, dass jede Führungskraft, jeder Mitarbeiter gut reden kann. In ihrem heutigen Vortrag auf der job and career STAGE wird sie ab 12:40 Uhr darlegen, auf was es bei einer gelungenen Rede ankommt.

Frau García, Sie behaupten in Ihren Vorträgen, dass jeder Mensch gut reden kann. Wie kommen Sie zu der Annahme?

Zunächst einmal sollten wir darüber philosophieren, was denn überhaupt „gutes Reden“ ist. Wir erreichen jeden Tag kommunikative Ziele, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. So simpel es auch klingt: Aber wenn jemand in die Bäckerei geht und es schafft, mit dem Brot wieder herauszukommen, das er haben wollte, dann hat er doch schon erfolgreich kommuniziert. Gute Kommunikation im Alltag nehmen wir aber kaum war. „Das kann ja jeder!“, heißt es dann. „Aber bei der Präsentation kann ich das nicht!“ Wenn wir es sogar schaffen Kinder zu erziehen – eine der größten Herausforderung überhaupt – warum sollten wir dann nicht auch erfolgreich Gehaltsverhandlungen führen oder einen guten Vortrag halten können? Ich glaube das ist letztlich eine mentale Sache und da hapert‘s eben bei den meisten. In dem Moment, in dem uns bewusst wird, da kommt eine schwierige Situation auf uns zu, erkennen wir oft nicht, was wir unbewusst schon alles können.

Also sind wir alle geboren Redner?

Ich glaube nicht, dass jeder ein Naturtalent ist. Ich glaube aber, dass jeder in der Lage ist, einen guten Vortrag zu halten und gute Gehaltsverhandlungen zu führen. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass jeder singen kann, es ist aber trotzdem nicht jeder ein Pavarotti. Wirklich begnadet sind nur wenige.

In normalen Alltagssituationen können wir aber doch alle gut reden, auf einer Party Smalltalk betreiben, Witze reißen und damit Freunde zum Lachen bringen. Wir sehen häufig gar nicht, dass das ja schon gutes Reden ist. Wenn wir uns das bewusst machen, und für uns herausfinden, wo unsere Stärken liegen, können wir diese auch auf schwierige Situationen übertragen.

Was ist mit Ihnen? Waren Sie schon immer so souverän vor Publikum?

Ich bin NIE souverän vor Publikum, ich habe immer einen Heidenrespekt vor den Menschen, die da vor mir sitzen. Vom Typ her bin ich eher introvertiert und schüchtern. Ich bin auf Partys eine von denen, die am Rand sitzen. Mittlerweile habe ich mir zwar antrainiert, auch mal auf Leute zuzugehen, allein wegen meines Jobs, aber meinem Naturell entspricht es nicht unbedingt. Vor einem Vortrag bin ich immer furchtbar aufgeregt.

Ich bin so unsicher wie viele andere und bin eher keine geborene Rampensau. Es macht großen Spaß, aber ich brauche auch erst mal ein paar Minuten um aufzutauen. Ich habe zwar ein Talent zum Reden, aber nicht unbedingt das angeborene Talent, das auch vor vielen Leuten zu tun. Das musste ich auch erst lernen.

Unterscheiden sich Vorträge auf Messen stark von anderen Locations?

Absolut! Auf Messen zu sprechen ist eine ganz besondere Situation. Ich habe oft das Gefühl, vor Demenzkranken zu sprechen, weil die Fluktuation der Zuhörer so groß ist und ich weniger auf das Publikum Bezug nehmen kann – das ist schon eine große Herausforderung. Eingangs mache ich einen guten Witz, den aber einer, der 10 Minuten später dazukommt, nicht mitbekommen hat und dann ist es eine große Kunst, den Neuankömmling zum Bleiben anzuregen.

Welches Handwerkszeug muss ein guter Redner mitbringen?

Kommunikation: Rhetorik-Crashkurs mit Isabel García

Zieht Messebesucher mit ihren unterhaltsamen Vorträgen magisch an: Isabel García

Erstens muss ein guter Redner authentisch und glaubhaft rüber kommen. Wenn Worte nicht kongruent zur Mimik sind, holt man das Publikum nicht ab. Klar, es ist nicht wirklich eine natürliche Situation, auf einer Bühne zu stehen und einen Vortrag zu halten. Natürlich ist eher ein Spaziergang mit meinem Hund Bruno im Park.

Auf der Bühne müssen wir aber unbedingt versuchen, so authentisch wie möglich zu erscheinen, um unsere Zuhörer zu überzeugen. Es sollte zwischen dem privaten und beruflichen Menschen keinen großen Unterschied geben, denn dann spielt man nur eine Rolle und das kommt gar nicht gut an.

Zweitens ist es unbedingt notwendig, mit dem Publikum auf Augenhöhe zu bleiben. Wenn ein Redner einen auf dicke Hose macht und von oben herab vor sich hin doziert, fühlen sich viele Zuhörer nicht abgeholt. So funktioniert auch kein normales Gespräch. Ich möchte auf der Bühne auch nicht einen auf perfekt machen, ich möchte echt sein, nicht immer aus dem Ei gepellt mit perfekten Locken und Make-up. Das trägt auch erheblich zur Authentizität bei. Keiner hat die Wahrheit gepachtet.

Außerdem sollte man sein Publikum immer ernst nehmen, sich auf die Menschen einlassen und spontan auf deren Bedürfnisse reagieren. Daher halte ich nicht so viel davon, einen Vortrag auswendig zu lernen. Auf jeden Fall sollte der Redner seinen Einstieg und Ausstieg vorbereiten, denn es gibt nichts schlimmeres, als einfach mittendrin abzubrechen, wenn die Zeit um ist.

Was nimmt ein Publikum besonders mit?

Die Leute lieben gute Storys: Erzählen Sie Geschichten, die bleiben den Zuhörern im Gedächtnis, weil sie Bilder schneller verarbeiten können als trockene Analysen. Es hilft außerdem, viel mit Humor zu arbeiten. Man sagt ja auch „lachen hilft beim Lernen“, so läuft es auch beim Zuhören, Witze kann man sich einfach besser merken und sie entspannen die Situation.

Zu guter Letzt ist es sehr wichtig, ab und zu Pausen von ein bis zwei Sekunden zu machen. Dann können die Leute auch mal kurz darüber nachdenken, was sie gerade gehört haben und es mit eigenen Emotionen verknüpfen.

Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, sich hauptberuflich mit der Kommunikation zu beschäftigen? Was fasziniert Sie an dem Thema besonders?

Kommunikation: Rhetorik-Crashkurs mit Isabel García

Kommunikationsexpertin Isabel García: Immer auf Augenhöhe mit Ihrem Publikum

Ein Punkt war tatsächlich auch der Umgang mit meiner eigenen Schüchternheit. Ich habe nach meiner Ausbildung zur Steuerfachangestellten Gesang studiert. Sprecherziehung und Schauspieltraining waren da inklusive. Als ich dann merkte, dass mir dieser Weg künstlerisch keine Perspektive bietet, habe ich angefangen als Sprecherin zu arbeiten und größtenteils Werbung eingesprochen. Dann bin ich per Zufall als Moderatorin beim Radio gelandet. Dort habe ich dann vereinzelt Kollegen Stimmtraining gegeben und nebenher auch noch Gesang unterrichtet. Damit fing alles an. Dann habe ich Fortbildungen zur Körpersprache und sogar der Hypnose gemacht, weil es mich immer interessiert hat, wie der Körper, wie das Gehirn funktioniert und eben was Kommunikation ist. Am Anfang wollte ich den Menschen nur helfen, mit der Stimme und dem Auftreten Sicherheit auszustrahlen, da war Kommunikation noch nicht das große Thema. Erst später ging mir auf, dass das alles zusammenhängt.

Was raten Sie als schüchterner Mensch anderen schüchternen Menschen bei großem Lampenfieber?

Es beruhigt ungemein, seine Atmung zu kontrollieren. Vor einer schwierigen Situation fängt leicht die Stimme an zu zittern. Wer sich auf seine Atmung konzentriert, kurz einatmet und lange ausatmet und das drei bis vier Mal hintereinander, hat seine Aufregung und seine Stimme besser im Griff. So vermeidet man Schnappatmung. Aber: Lampenfieber gehört dazu. Das hat wieder etwas mit Respekt und „auf Augenhöhe sein“ zu tun. Leute, die sich mit einer „ich bin ja so geil“- Einstellung auf die Bühne stellen, sind gar nicht mein Fall – und bleiben häufig auch beim Publikum nicht in besonders guter Erinnerung.

Viele Redner wissen oft nicht, wohin mit ihren Händen. Was raten Sie in dem Fall?

Finden Sie Ihre eigene Körpersprache. Überlegen Sie sich, wo Sie die Arme normalerweise beim Reden haben und übernehmen Sie das beim Vortrag. Mir hat immer ein Tipp von Rhetoriktrainer Michael Rossié aus München geholfen: Die Arme eingangs einfach seitlich hängen lassen und damit eine neutrale Basis schaffen. Nach ein bis zwei Minuten bewegen sich die Hände von allein in ihrer natürlich Fasson.

Sie sind nun schon seit vielen Jahren im Geschäft, halten Vorträge, schreiben Bücher und produzieren Hörbücher, alles zum Thema Kommunikation. Was möchten Sie damit erreichen?

Mein Ziel ist es, den Leuten Mut zu machen: Wir haben schon ganz viel in  uns, machen uns das allerdings nicht bewusst! Wenn wir natürliche Kommunikation im Alltag bewältigen können, können wir das auch vor Publikum. Der erste Schritt zu einem guten Vortrag ist, sich selbst bewusst wahrzunehmen und seine Stärken zu erkennen. Wer diese Stärken nutzt, kann auch schwierige Gesprächssituationen meistern.

Frau García, herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Charlotte Lisador.

 


Isabel García ist Rednerin, Sprecherin, Autorin und Unternehmerin. Nach einer Ausbildung zur Steuerfachangestellten studierte sie an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg Gesang. In Wien ließ sie sich zur Diplomsprecherin ausbilden und gründete 2004 ihr Lerninstitut ICH REDE.

2009 brachte sie ihr Hörbuch Ich REDE. Kommunikationsfallen und wie man sie umgeht in ihrem eigenen Verlag auf den Markt und erhielt innerhalb eines Jahres drei Auszeichnungen. Es folgten vier weitere Hörbücher. 2013 gewann Isabel García den Publikumspreis der Dresdner und Hamburger Erfolgstage als beste Rednerin. Im Herbst dieses Jahres erscheint ihr drittes Buch unter dem Titel „Ich kann auch anders“ im Econ Verlag.

Nachdem Isabel García die sechsmonatige Kommunikationsausbildung ihres Lehrinstituts „ICH REDE“. aufgrund der vielen Redneraufträge nicht mehr als Präsenztraining anbieten konnte, entwickelte sie 2013 das erste sechsmonatige Onlinetraining zum Thema Kommunikation. Dafür gründete Sie die Ich REDE. Akademie. Mehr Infos zu ihrem Profil, ihren Werken und Angeboten finden Sie unter www.ichrede.de.

1 Kommentar

  1. Interessanter Artikel, was mir immer sehr gut geholfen hat, sich die bevorstehende Situation positiv auszumalen und nicht in negative Vorstellungen reinzusteigern.

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