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Die Kunst der Bewerbung: Wichtigstes Dokument ist der Lebenslauf

Karriereberater Bastian Gutmann von der A.S.I. Wirtschaftsberatung AG gibt Tipps für eine rundum gelungene Bewerbung

Foto: A.S.I.

Mit welchen Eigenschaften fällt Ihre Bewerbung unter vielen Hunderten auf? Welche Inhalte werden den Personaler Ihres Wunscharbeitgebers davon überzeugen, gerade Sie zu einem Gespräch einzuladen? Tipps und Tricks für eine rundum überzeugende Bewerbung hält Karriereberater Bastian Gutmann von der A.S.I. Wirtschaftsberatung AG bereit.

Auf der job and career at CeBIT 2016, die vom 14. bis 18. März in Hannover stattfindet, wird er gemeinsam mit einem Team von Karriereexperten am A.S.I.-Stand in Halle 11 die Bewerbungsunterlagen der Besucher unter die Lupe nehmen. Uns hat er vorab verraten, was eine gute Bewerbung ausmacht.

Herr Gutmann, heutzutage laufen Bewerbungsphasen ja ganz anders ab als noch vor zehn oder gar 20 Jahren. Social Recruiting, Onlineformulare und E-Mail-Bewerbungen liegen heute im Trend. Werden Ihnen denn überhaupt noch Bewerbungsmappen zum „Check“ vorgelegt?

Die klassische Mappe, die per Post ihren Weg zum Unternehmen findet, ist ohne Frage immer seltener zu finden. Onlineformulare und E-Mail sind schneller, effizienter und werden somit von den meisten Arbeitgebern präferiert. Doch auch wenn sich der Übermittlungsweg in den letzten 20 Jahren verändert haben sollte, der Sinn und Zweck – und somit auch der Inhalt – der Bewerbungsunterlagen bleibt unverändert. Es gilt auf der einen Seite, den potenziellen neuen Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass man als Bewerber für die Vakanz qualifiziert ist. Das reicht aber nicht. Das Unternehmen sucht nämlich nicht nur einen Mitarbeiter, der qualifiziert ist; vielmehr sollte der Mitarbeiter auch jeden Tag gerne zur Arbeit kommen, sich einbringen, sich mit dem Produkt beziehungsweise der Dienstleistung identifizieren und motiviert sein. Deswegen ist es unabdingbar, auf der anderen Seite auch genau diese Motivation darzustellen.

Hat sich der Look von Bewerbungsmappen über die Jahre verändert? Was sind die aktuellen Trends in dem Bereich?

Der „Look“, das Layout, die äußerliche Gestaltung der analogen oder digitalen Mappe ist sekundär. Es ist nicht entscheidend, welcher Schrifttyp verwendet wird, ob das Foto farbig oder schwarz-weiß gestaltet ist oder welche Farbe für grafische Elemente gewählt wird. Auf den Inhalt kommt es an. Dieser muss übersichtlich und strukturiert präsentiert werden. Die Form sollte der Funktion folgen. So macht es beispielsweise Sinn, den Lebenslauf zunächst thematisch zu strukturieren (Studium, Praktika, studienbegleitende Tätigkeiten, Auslandserfahrung, ehrenamtliches Engagement usw.) und die Inhalte der einzelnen Themenblöcke dann antichronologisch zu sortieren. Dies hat den Vorteil, dass das jüngste Ereignis (z.B. Masterabschluss), das im Vergleich zu älteren Stationen (z.B. Bachelorabschluss) im Allgemeinen einen höheren Stellenwert besitzt, sofort ins Auge fällt.

Worauf achten Personaler beim Blick auf die Bewerbungsunterlagen besonders?

Das wichtigste Dokument in der Bewerbungsmappe ist der Lebenslauf. Dieser wird im Allgemeinen auch als Erstes gelesen. Anhand des Lebenslaufes möchte der Personaler schnell erfassen können, welche Kenntnisse der Bewerber mitbringt, die ihn für die ausgeschriebene Stelle qualifizieren: Kenntnisse im theoretisch wissenschaftlichen Bereich sowie praktische Kenntnisse, die im Rahmen von Praktika oder beruflicher Tätigkeit gesammelt wurden. Es geht also darum, all die Aspekte des bisherigen Werdeganges hervorzuheben und zu detaillieren, die für die Vakanz besonders relevant sind. Somit wird der Lebenslauf auch immer wieder unterschiedlich ausfallen (insbesondere hinsichtlich des Detaillierungsgrades der einzelnen Punkte), je nachdem auf welche Stelle und bei welchem Unternehmen man sich bewirbt.

Im Netz kursiert eine Vielzahl an sich teilweise widersprechenden Tipps für das ideale An- oder Motivationsschreiben. Welche Aspekte sind für einen positiven ersten Eindruck besonders wichtig? Und was möchten Personaler überhaupt nicht lesen?

Während der Lebenslauf die Qualifikation des Bewerbers wiedergibt, dient das Anschreiben insbesondere der Darstellung der eigenen Motivation. Es gilt aufzuzeigen, was einen fasziniert und Spaß macht, welche Erwartungen man an Stelle und Unternehmung hat. Was begeistert einen an der Branche? In welchem Funktionsbereich möchte man gerne arbeiten? Sollte es eher ein mittelständisches Unternehmen sein oder ein großer Konzern? Welche Vorstellungen hat man bezüglich der Unternehmenskultur? Welche Tätigkeiten machen einem Spaß, wie möchte man gerne arbeiten: im Team, eigenverantwortlich, abwechslungsreich, analytisch, projektbezogen…? Auf jeden Aspekt sollte unbedingt eine nachvollziehbare Begründung folgen.

Der Leser, der Personaler muss sich und sein Unternehmen in der Beschreibung wiederfinden und sagen können: Ja, das sind wir!  Zusammenfassend besteht die Quintessenz des Anschreibens also darin aufzuzeigen: „Sie sind genau das, was ich suche und ich bin genau das, was sie suchen.“

Meine Empfehlung an Bewerber: Lösen Sie sich von Standardfloskeln. Formulierungen wie „…mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen…“, „…möchte ich mich in Ihr Team einbringen…“, „mit mir gewinnen Sie…“, „…konnte ich bereits unter Beweis stellen…“ werden inflationär verwendet und sind kontraproduktiv. Was der Personaler nämlich überhaupt nicht sehen möchte, sind austauschbare Standardschreiben, die nicht den geringsten Bezug zur Stelle und zum Unternehmen haben. Vermeiden Sie zudem die Aneinanderreihung von Soft Skills, sondern lassen Sie die Fakten für sich sprechen.

Wie sollten Bewerber Ihrer Meinung nach mit Lücken im Lebenslauf umgehen?

Personaler sind keine Historiker. Die zeitlichen Angaben sind hinsichtlich der Qualifikation sekundär. Beim akademischen Werdegang stellt sich zum Beispiel zunächst einmal die Frage, ob und was studiert wurde, welche Schwerpunkte gewählt wurden, welche Inhalte das Studium hatte, an welcher Universität oder Hochschule welche Leistungen erzielt wurden. Erst dann ist es sicherlich auch interessant zu erfahren, wie lange der Bewerber für das Studium benötigt hat. Wenn der Bewerber zwischen den einzelnen Stationen seines Lebenslaufes mal einen Leerlauf von drei Monaten hat, ist dies hinsichtlich seiner möglichen Qualifikation absolut irrelevant. Hat der Bewerber dagegen über einen Zeitraum von zwei Jahren überhaupt nichts angegeben, weckt dies zu Recht Spekulationen beim Personaler. Um dies zu vermeiden, sollte offen und ehrlich dargestellt werden, womit man sich in dieser Phase beschäftigt hat.

Viele Bewerber fragen sich, wie stark Arbeitszeugnisse die Auswahl von Kandidaten beeinflussen? Führen nur „sehr gute“ Zeugnisse zur Einladung zum Bewerbungsgespräch? Oder reicht auch noch ein „gut“ oder „befriedigend“? Halten Personaler bei „Ex-Unternehmen“ öfter Rücksprache?

Die Bedeutung von Arbeitszeugnissen sollte nicht überbewertet werden. Zunächst einmal wird sich der Personaler auf seine eigene Einschätzung hinsichtlich der Qualifikation eines Bewerbers verlassen und diese fußt erst einmal auf dem Lebenslauf und dem Motivationsschreiben. Jedem Personalverantwortlichen ist bewusst, dass die Beurteilung eines Mitarbeiters immer auch subjektiv und somit nur bedingt reliabel ist. Darüber hinaus stellt sich auch die Frage, ob die im Arbeitszeugnis bewerteten Fähigkeiten für die ausgeschriebene Stelle überhaupt von Relevanz sind.

Arbeitszeugnisse dienen eher der Validierung der im Lebenslauf gemachten Angaben und komplettieren das Gesamtbild eines Bewerbers. Man erfährt, wie Dritte das (Arbeits-) Verhalten, die Fähigkeiten des Bewerbers wahrgenommen haben.

Dass Personaler bei früheren Arbeitgebern anrufen, um sich über Bewerber zu informieren, ist ohne Beschränkung der Allgemeinheit nicht die Regel. Zunächst einmal muss der ehemalige Arbeitgeber auch gewillt sein, Informationen weiterzugeben. Unternehmen haben normalerweise etwas Besseres zu tun, als über ehemalige Mitarbeiter Auskünfte zu erteilen und Arbeitsrecht sowie Datenschutz spielen auch eine Rolle. Darüber hinaus ist immer fraglich, wie aussagekräftig entsprechende Antworten eines früheren Vorgesetzten sind.