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Mehr Freiheit im Job: Microsoft-Personalchefin Dr. Elke Frank im Interview

Fachmesse Zukunft Personal in Köln

Dr. Elke Frank, Personalchefin von Microsoft Deutschland. Foto: Zukunft Personal/Fotostudio Franz Pfluegl

Flexibles Arbeiten, großen Entscheidungsfreiraum und kurze Kommunikationswege im Unternehmen – das wünschen sich viele Arbeitnehmer. Doch die Unternehmen stecken in puncto neuartige Arbeitsformen noch oft in den Kinderschuhen.

Wie Personaler in Sachen „New Way of Work“ vorgehen, führte Dr. Elke Frank am 15. Oktober in ihrer Keynote auf der Zukunft Personal in Köln aus. Stefanie Hornung, Pressesprecherin der Messe, hat die Gelegenheit genutzt, die Personalchefin von Microsoft Deutschland zu neuen Modellen für mehr Freiheit am Arbeitsplatz zu befragen.

Der Software-Riese gilt als Vorreiter auf diesem Gebiet und hat – Stichwort „Vertrauensarbeitsort” – Anfang September mit einer neuen Gesamtbetriebsvereinbarung von sich reden gemacht, die es allen Mitarbeitern erlaubt, jederzeit individuell zu entscheiden, von wo aus sie ihre Aufgaben erledigen möchten.

Frau Dr. Frank, wie sieht Ihre Personalstrategie im Sinne von „New Way of Work“ konkret aus?

Wir erleben zurzeit den wohl größten Wandel in der Arbeitswelt seit der industriellen Revolution, angestoßen vor allem durch moderne Technologien: Schreibtischarbeit im Büro verliert an Bedeutung, Mitarbeiter können dank mobiler Geräte und Cloud-Services unabhängig von Zeit und Ort tätig sein. Unsere Strategie baut daher auf die beiden Prinzipien „Vertrauensarbeitszeit“ und „Vertrauensarbeitsort“. Bei uns kann jeder Mitarbeiter selbst entscheiden, wann und wo er arbeiten möchte.

Ausschlaggebend für Microsoft sind die Resultate, die der Mitarbeiter nach vorab vereinbarten Zielen erreicht. Die Entscheidungsfreiheit für die Einteilung von Arbeitszeit und Arbeitsort liegt beim Mitarbeiter in Absprache mit seinem Vorgesetzten und abhängig von den jeweiligen Aufgabengebieten. Durch diese flexiblen Arbeitsweisen verzeichnen wir eine verbesserte Mitarbeiterproduktivität und eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit. Das bestätigen uns unsere Mitarbeiter in der jährlichen Mitarbeiterbefragung.

Ein höherer individueller Freiheitsgrad bedeutet auch mehr Eigenverantwortung der Mitarbeiter – zum Beispiel in Sachen Arbeitsorganisation, Motivation oder Gesundheit. Inwiefern sind alle Mitarbeiter dem gewachsen?

Insgesamt machen wir sehr gute Erfahrungen beim Thema Eigenverantwortung. Selbstverständlich gibt es aber auch Mitarbeiter, die nicht in vollem Maße flexibel arbeiten wollen oder können – denn nicht jede Persönlichkeit und auch nicht jede Stelle eignet sich für flexibles Arbeiten. Für uns ist es daher wichtig, dass jeder Mitarbeiter ehrlich zu sich selbst und auch zu seinen Kollegen ist. Denn flexibles Arbeiten ist ein Angebot und kein Zwang.

Vor diesem Hintergrund sind wir überzeugt, dass solche Arbeitsmodelle Rahmenbedingungen und Leitplanken benötigen. Um unsere Mitarbeiter aktiv auf diesem Weg zu unterstützen, haben wir unter anderem einen „How to Guide“ entwickelt, in dem Regeln für flexibles Arbeiten für Führungskräfte und Mitarbeiter formuliert sind – der übrigens auch großen Zuspruch von unserem Betriebsrat erhalten hat.

Eine Regel ist etwa, dass Mitarbeiter nicht ständig erreichbar sein müssen. Für uns heißt flexibles Arbeiten nämlich nicht 24 Stunden, sieben Tage die Woche „always on“. Um dem Thema Überbelastung vorzubeugen, bieten wir neben verschiedenen Coachings und Trainings auch ein sehr umfassendes Gesundheitsprogramm an.