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Mehr Freiheit im Job: Microsoft-Personalchefin Dr. Elke Frank im Interview

Die Anforderungen an Führungskräfte ändern sich beim flexiblen Arbeiten. Bei Ihnen sitzt die Geschäftsleitung in einer Art Großraumbüro, also Sie zusammen mit dem CEO und dem CFO. Was bewirkt das konkret?

Die gesamte Geschäftsführung von Microsoft sitzt zwar zusammen in einem Open-Space-Bereich, aber auch wir sind häufig unterwegs und arbeiten dadurch flexibel. Wenn die Anwesenheit der Fall ist, vereinfacht unsere Konstellation die Kommunikation und Entscheidungsfindung vor Ort. Generell sehen wir das Büro somit weniger als Platz zum Arbeiten, sondern als ein Ort des Austausches.

Dadurch, dass immer mehr Mitarbeiter in flexiblen Arbeitsmodellen tätig sind, ändern sich natürlich auch die Anforderungen an gute Führung. Denn gerade Mitarbeiter ohne permanente Anwesenheit müssen geführt werden. Feedback muss zum Beispiel viel bewusster und regelmäßiger erfolgen, als bei den Kollegen vor Ort, da der kleine Plausch nebenbei so nicht mehr stattfinden kann. Und: Führungskräfte müssen ihren Mitarbeitern Vertrauen schenken.

Im vergangenen Jahr wollten Sie drei Büros schließen, an den Standorten Bad Homburg, Böblingen und Hamburg, und die Mitarbeiter von zuhause arbeiten lassen. Das ist laut Medienberichten am Protest der Mitarbeiter gescheitert. Was haben Sie daraus gelernt?

Unser Ziel ist es, unseren Mitarbeitern die größtmögliche Wahlfreiheit in ihrer Arbeitsplatzgestaltung zu geben. Diese Wahlfreiheit führt dazu, dass viele unserer Mitarbeiter nur noch selten jeden Tag in der Woche im Büro sind. Dies erfordert wiederum räumliche Umstrukturierungen, wie zum Beispiel die Reduzierung traditioneller Arbeitsplatze wie Einzelbüros und deutlich mehr Meeting Räume und Gesprächsinseln zum lockeren Austausch. Nach dem Feedback unserer Mitarbeiter werden wir die Standorte beibehalten und nach den Anforderungen an flexible Arbeitsmodelle hin umgestalten.

Es gibt aber demnach immer noch Mitarbeiter, die gern im Büro arbeiten. Wie ist bei Microsoft in etwa der durchschnittliche Anteil von Homeoffice und Büropräsenz?

Bei uns sind über 90 Prozent der Mitarbeiter in flexiblen Arbeitsverhältnissen tätig – sowohl in Bezug auf Zeit und Ort. Die Frage, wer mehr im Büro, beim Kunden, im Homeoffice oder woanders ist, kann ich Ihnen gar nicht beantworten, da wir weder Zeit noch Anwesenheit messen. Microsoft ist in Deutschland mehrheitlich eine Vertriebsorganisation, so dass sehr viele Mitarbeiter viel Zeit beim Kunden verbringen und von dort aus arbeiten, aber auch zuhause, am Flughafen oder auch mal im Café. Flexibles Arbeiten heißt bei uns eben nicht nur Homeoffice.