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„MEINE STÄRKEN UND SCHWÄCHEN SIND…“ – STANDARDFRAGE IM VORSTELLUNGSGESPRÄCH

Beinahe jedes Vorstellungsgespräch, so persönlich und individuell es auch gestaltet sein mag, beinhaltet sie: die Standardfragen. Sie beleuchten neben Ihrer professionellen Qualifikation Ihre Persönlichkeit und testen Ihre Stressresistenz.

Oder sie dienen dazu herauszufinden, ob Ihre Werte zur Unternehmenskultur passen. Ihre Antworten auf diese Fragen sollten Sie nicht auswendig lernen, sich allerdings gut vorbereiten:

Was sind je drei Ihrer Stärken und Schwächen
In vielen Ratgebern lesen Sie: Führen Sie Schwächen an, die Sie auch als Stärken auslegen können. Zum Beispiel: „Ich bin viel zu ehrgeizig, ich kann eine Aufgabe einfach nicht unvollendet liegen lassen.“ Oder Sie hören von Beratern: Relativieren Sie einfach Ihre Schwächen. Im Sinne von: „Ab und an bin ich ein wenig zu genau.“
Meiner Meinung nach sollten Sie gerade das nicht tun. Ihre persönlichen Stärken sind das, was Sie auszeichnet und Ihr Profil als Idealbesetzung für die offene Stelle abrunden kann.

Was Sie stattdessen tun sollten:
– Notieren Sie sich schon zu Beginn Ihrer Bewerbungsphase in Stichpunkten, was Sie als Ihre Alleinstellungsmerkmale sehen. Fragen Sie auch gerne Kollegen, Familie oder Freunde um Rat.
– Machen Sie sich vor dem jeweiligen Vorstellungsgespräch Gedanken darüber, welche Stärken am besten zu den Anforderungen der neuen Position und dem Unternehmen passen.
– Bis Sie diese Frage nach Ihren Stärken und Schwächen gestellt bekommen haben, haben Sie Ihre Gesprächspartner schon grob kennen gelernt und können dahingehend nochmals aus Ihren Notizen auswählen.

Ehrlich währt am längsten
Wenn Sie die Wahl haben, beginnen Sie immer mit den Schwächen. Dann können Sie mit den Stärken die Antwort beenden – und die positiven Dinge bleiben im Gedächtnis Ihrer Gesprächspartner hängen.

Meine Empfehlung bei der Frage nach Schwächen:
– Nennen Sie Ihre Schwächen immer wahrheitsgemäß.
– Teilen Sie Ihren Gesprächspartnern gleichzeitig allerdings mit, ob und wie Sie an diesen bereits arbeiten. Zum Beispiel: „Oft setze ich mich selbst unter Druck und neige dadurch zu Flüchtigkeitsfehlern. Das hat sich in meinem ersten Nebenjob gezeigt. Jetzt setze ich mir selbst erreichbare Teilziele und kontrolliere zwischendurch immer das Ergebnis. Druck mache ich mir deutlich weniger und Flüchtigkeitsfehler können gar nicht erst auftreten.“
Ein offener Umgang mit echten Schwächen wirkt auf mich immer sympathisch und selbstsicher. „Ich weiß, dass ich mich in Bezug auf meine Kritikfähigkeit noch weiterentwickeln kann. Ich höre mir Kritik an, nehme sie aber manchmal noch persönlich. Dann brauche ich erstmal 5 Minuten, um alles sacken zu lassen. Danach geht’s dann mit frischem Input ans Werk.“

Doch Vorsicht: Natürlich ist dieser Rat mit Sinn und Verstand zu befolgen. Eine Schwäche, die Sie davon abhalten würde, den Traumjob zu bekommen, sollten Sie in diesem Zusammenhang nicht aufführen. Außerdem sollten Sie immer nur Schwächen nennen, die Sie in einem professionellen Umfeld auch ansprechen können. Ein klassisches „Meine Schwäche ist meine Freundin“ (und das habe ich tatsächlich schon gehört) ist tabu!

I’m a superhero – meine Stärken
Diese Frage scheint leicht und komplikationslos zu beantworten zu sein. Doch auch hier können sich Fallstricke für Sie verstecken. Wie oben erwähnt können Sie sich bereits vorab über Ihre Stärken Gedanken machen. Was zeichnet Sie aus?
Und hier sollten Sie selbstverständliche Eigenschaften nicht anbringen. Ein „Ich bin pünktlich“ oder „Ich bin zuverlässig“ sind Allgemeinplätze, die Sie nicht von der Masse abheben. Außer vielleicht, Sie bewerben sich in einer Funkuhrfabrik.

Nehmen Sie sich das Stellenprofil und die jeweilige Unternehmenshomepage vor. Erkennen Sie sich dort wieder, sollten Sie diese Stärken aufnehmen und sie im Gespräch noch weiter ausführen.
– Wenn die Position z.B. Organisationstalent verlangt können Sie beispielsweise antworten: „Ich bin sehr gut darin, Dinge zu organisieren und Termine zu koordinieren. In meiner Studiengruppe habe ich immer die Treffen organisiert, Aufgaben verteilt und notfalls auch bei unvorhergesehenen Situationen für Ersatz gesorgt. Meine Kommilitonen haben sich immer auf mich verlassen.“
– Ein Unternehmen beschreibt sich selbst als innovativ und erfolgsorientiert? Sie finden sich in der Beschreibung wieder? Prima! Eine mögliche Antwort: „Wenn ich mir ein Ziel gesetzt habe, dann halte ich das ständig im Blick und gebe nicht auf. Ist mir ein Weg verbaut, so suche ich nach Alternativen.“
Gleich zwei Anforderungen decken Sie mit einer Antwort ab. Besonders gut ist es immer, ein passendes Beispiel für Ihre Aussage parat zu haben: „Mein Ziel war es beispielsweise immer, bei einem Automobilhersteller direkt zu arbeiten. Als ich nach dem Studium keine Stelle bekommen konnte, habe ich bei einem Zulieferer gestartet. Und jetzt, drei Jahre später, sitze ich vor Ihnen.“

Hätte, könnte, würde…“ – was Sie vermeiden sollten
Hierfür mag der ein oder andere sicherlich ein wenig Training benötigen. Achten Sie in einem Vorstellungsgespräch, aber vor allem bei der Beantwortung von Fragen zu Ihren Wünschen, Zielen und zu Ihrer Person darauf, nicht in den Konjunktiv zu verfallen oder Ihre Aussagen durch Füllwörter abzuschwächen.
„Ich denke, ich bin ein selbstsicherer Mensch“ ist schon ein Widerspruch in sich. Auch ein „Ich würde sagen, ich bin manchmal unpünktlich“ kommt unsicher an. Immerhin kennen Sie sich selbst am besten!

Bei allem Selbstbewusstsein und sicherer Kommunikation muss jedoch eins klar sein: Übertreiben Sie es nicht.
Einen Alleskönner möchte keiner in seinem Team haben, denn zumeist sind das nur leere Worte. Treten Sie überzeugt von sich auf, arbeiten Sie Ihre Stärken heraus, bleiben Sie dabei aber unbedingt Sie selbst und vor allem menschlich!

 

Autor: 
Katharina Hain
Senior Department Manager Recruitment Management
HAYS Recruiting experts worldwide

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