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Personalmangel: Mittelstand büßt Milliarden ein

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S. Hofschlaeger/pixelio.de

Mittelstand oder Dax-Konzern? Provinz oder Großstadtflair? Wer es sich aussuchen kann – und das sind immer mehr Bewerber, insbesondere aus der IT und dem Ingenieurbereich –, der möchte im Zweifelsfall lieber bei einem Unternehmen mit einem großen Namen einsteigen und das noch dazu an einem Ort, der eine hohe Lebensqualität verspricht.

Die Folge: Gleich nach den hohen Energiepreisen rangiert beim deutschen Mittelstand die Sorge, das passende Personal für sich zu gewinnen, an zweiter Stelle. Zu diesem Ergebnis kommt das kürzlich veröffentlichte Mittelstandsbarometer der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY).

Rund 31 Milliarden Euro Umsatz gehen den befragten Unternehmen verloren, weil sie es nicht schaffen, qualifizierte Fachkräfte für einen Einstieg bei sich zu begeistern. „Gerade kleinere Unternehmen in ländlicheren Regionen, deren Produkte in der breiten Bevölkerung wenig bekannt sind, werden es tendenziell schwerer haben, qualifizierte Mitarbeiter zu finden“, erklärt Peter Englisch, Partner bei EY, die angespannte Lage.

Über 300.000 offene Stellen

Mehr als siebzig Prozent der deutschlandweit befragten 3000 Mittelständler bezeichnet es als schwierig, geeignete neue Mitarbeiter zu finden. Und sechs von zehn Unternehmen haben aktuell offene Stellen, die sie mangels Bewerbern nicht besetzen können.

Hochgerechnet gibt es bei den mittelständischen Unternehmen in Deutschland derzeit 326.000 Vakanzen, die nicht besetzt werden können. Die größte Lücke klafft im technischen Bereich und in der Produktion, dicht gefolgt von Marketing, Vertrieb und Kundendienst. Am besten sieht es derzeit im operativen Bereich noch bei Produktentwicklung, Forschung und Entwicklung aus.

www.ey.com_Publication_vwLUAssets_EY_Mittelstandsbarometer_fuer_Januar_2014_$FILE_EY-Mittelstandsbarometer-2014Kampf um die besten Azubis

Sollte angesichts der angespannten Lage in einigen Bereichen die Devise nicht lauten: ausbilden statt einstellen?

Auch diese Option wird für den Mittelstand zunehmend zur Herausforderung. Angesichts schrumpfender Schulabgängerjahrgänge wird auch im Kampf um die besten Azubis mit immer härteren Bandagen gekämpft. Manche Betriebe locken mit Autos oder Prämien und viele Unternehmen umwerben verstärkt auch Abiturienten und unzufriedene Studenten, sich für eine Ausbildung bei ihnen zu entscheiden.

Die Situation ist insgesamt vertrackt: Während auf der einen Seite Tausende Jugendliche auf eine Lehrstelle warten, gibt es zeitgleich in den Unternehmen noch über 33.000 unbesetzte Ausbildungsplätze. Diese freien Stellen sind dann allerdings entweder in einer anderen Region ausgeschrieben oder in anderen Branchen, wie der Spiegel in einem interessanten Beitrag analysiert.

Nadelöhr für die Konjunktur

Auch in den kommenden Monaten dürfte sich die Lage daher kaum bessern, was die Umsatzeinbußen im Mittelstand angeht.

Ernst & Young rechnet sogar noch mit noch deutlich höheren Umsatzausfällen: „Im aktuellen Aufschwung erweist sich der Fachkräftemangel als Nadelöhr für die deutsche Konjunktur. Immer mehr Unternehmen verpassen Wachstumschancen, weil sie Aufträge ablehnen müssen oder bei Neuentwicklungen und in der Produktion nicht mit der Nachfrage Schritt halten können“, prognostiziert EY-Partner Peter Englisch.

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