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Quereinsteiger – der Umweg ist das Ziel

Quereinsteiger – der Umweg ist das ZielEin studierter Jurist eröffnet eine Bäckerei, ein Journalist wird Florist, eine Bankkauffrau wird zur Sozialarbeiterin etc. Beispiele hierfür gibt es viele – hierfür, das heißt für Quereinsteiger und Branchenwechsler, für Menschen mit Ambitionen zum Traumjob, mit Mut zur Veränderung. In Deutschland gibt es jedes Jahr mehr als 1,2 Millionen Menschen, die den Start in einem komplett anderen Berufsfeld wagen.

Dazu zählen vermutlich auch viele der rund 92 Prozent der Deutschen, die zugeben, dass sie nicht ihrem Traumjob nachgehen. Langweilige Aufgaben, fehlende Perspektiven, anstrengende Chefs – dies sind nur wenige Punkte, wieso Menschen in ihrem Job frustriert sind. Daraus resultiert bei vielen der Wunsch nach Veränderung und einem beruflichen Neustart, ja, womöglich sogar einem Quereinstieg in eine ganz andere Branche – vielleicht ist es sogar der erste Schritt in Richtung Traumberuf!

Der Fremde in einem neuen „Branchen“-Land

Eine Person, die aus einer fremden Branche in ein neues Berufsfeld wechselt, ohne die für diese Tätigkeit allgemein übliche Berufsausbildung absolviert zu haben – das ist ein Quereinsteiger. Das mag fast schon verachtend klingen und bringt diesen Personen kaum den Respekt und die Wertschätzung entgegen, die diese verdient haben. Zumal an dieser Stelle erwähnenswert ist, dass 62 Prozent aller Berufsbilder in Deutschland gar keine feste Berufsausbildung benötigen, um ausgeübt zu werden. „Denn es braucht für gewisse Tätigkeiten nur den richtigen Mitarbeiter, der mit seiner Persönlichkeit überzeugt und Leidenschaft für seine Arbeit mitbringt“, der Meinung ist Anastasia Romanski, HR Managerin bei spring Messe Management. Branchenwechsler seien dabei keineswegs zu bemitleiden, denn sie hätten so einiges an Know-how zu bieten, die manch ein Brancheninterner nicht vorlegen könnte.

Die meisten Menschen scheuen Veränderungen, haben sogar fast Angst vor ihr. Und so üben auch heutzutage noch genügend Arbeitnehmer lustlos, ineffektiv und ohne Motivation ihren Beruf aus, wovon weder sie selbst noch ihr Unternehmen etwas haben. Klingt ganz schön anstrengend, fast schon traurig! Ein Hoch also auf die ehrgeizigen Quereinsteiger, die meistens ein hohes Maß an Motivation und Mut einbringen – unerlässlich in der heutigen Arbeitswelt! Darüber hinaus verfügen sie über überfachliche Kompetenzen, artfremdes Fachwissen und exotische Berufserfahrungen, sie besitzen zumeist eine ausgeprägte Persönlichkeit und eine unvoreingenommene Sichtweise.

Im Gegensatz zu einer Fachkraft ist die Laufbahn eines Quereinsteigers von Umwegen geprägt und deshalb wesentlich bunter – der Umweg ist hier häufig das Ziel. Davon können auch Arbeitgeber profitieren: branchenfremdes Wissen, Offenheit für Neues, Perspektivenwechsel, spannende Sichtweisen und sonstige vorhandene Expertise bringen dem neuen Arbeitgeber einen Mehrwert für das Unternehmen. „Außerdem sind Mitarbeiter, die ihren Talenten folgen, zufriedener und somit grundsätzlich motivierter und produktiver“, so Anastasia Romanski.

Motivation und Integration

Um künftig eine effektive Zusammenarbeit zwischen Quereinsteiger und branchenfremdem Arbeitgeber zu gewährleisten, sollten sich beide Seiten gewissenhaft darauf vorbereiten und realistisch bleiben: auf Mitarbeiterseite ist die eigene Motivation für einen Berufswechsel unumgänglich, genauso wie eine passende Persönlichkeit, Geduld sowie Lernbereitschaft im neuen Job. Natürlich darf auch ein gewisses Vorwissen nicht fehlen. Das heißt, ganz ohne Voraberfahrung aus Hobby, Ehrenamt oder Nebenberuf geht es scheinbar nicht. Ein starker Wille, sich weiterzubilden und sich, neben einer 40-Stunden-Woche, neue Kompetenzen anzueignen, ist zwingend notwendig.

Auch auf Unternehmensseite muss Wille und Motivation da sein, neue Quereinsteiger-Kollegen zum einen schon bei der Rekrutierung gesondert anzusprechen und sie zum anderen später durch gezielte Maßnahmen zu integrieren. Auch hier spielt das Angebot der Weiterbildung eine wichtige Rolle – schließlich sollte der Exot schnell über ein gewisses Repertoire an Basiswissen verfügen. „Auch ein Mentorenprogramm, das Branchenneulingen für das Onboarding einen Paten zur Seite stellt, ist eine gute Option“, schlägt Anastasia Romanski vor. Dabei sollten die Besonderheiten, auf Grund derer die Quereinsteiger in erster Linie eingestellt wurden, nicht überspielt werden – denn daran könnte der Mehrwert dieser Kollegen verloren gehen.

Lösung in Zeiten des Fachkräftemangels

Gerade in der heutigen Arbeitswelt, in der Fachkräftemangel branchenübergreifend ein Problem darstellt, können Quereinsteiger eine gute Lösung sein. Es ist daher an der Zeit, dass Personaler sich mit dieser neuen Zielgruppe auseinandersetzen und deren Potential erkennen. „Denn diese Exoten steigern durch andere Denk- und Handlungsmuster schlussendlich Umsatz, Gewinn und Innovationsfähigkeit des Unternehmens und können somit absolute Leistungserbringer sein“, der Meinung ist auch Anastasia Romanski.

Denn letztendlich sind fachspezifische Kenntnisse zwar von Vorteil, aber es sind die nicht-fachgebundenen Kompetenzen und Eigenschaften, die die Qualität der Mitarbeiter ausmachen. „So lange die Persönlichkeit zum Unternehmen passt und Kreativität oder analytisches Denken vorhanden sind, kann man diese durch erlernbares Fachwissen ergänzen, um ein optimales Gesamtpaket zu erzielen. Daher sollten bereits im Bewerbungsprozess Persönlichkeitsmerkmale eine Gleichstellung zu fachlichen Qualifikationen erhalten“, so Anastasia Romanski.

Quereinsteiger sind ganz schön mutig. Denn sie scheitern, denken um und orientieren sich neu und gehen in eine neue berufliche Richtung. Deshalb wäre es schön, wenn Arbeitgeber bei der Rekrutierung auch mutiger werden und diesen exotischen Kandidaten eine Chance geben würden. Es wäre eine Win-Win-Situation auf beiden Seiten!

 

Im Endeffekt ist unser Beruf doch auch nur eine Facette von uns Menschen – wieso sollten wir diese nicht auch flexibel und vielseitig ausleben? Eine berufsspezifische Ausbildung sollte keine Grenze, keine Bürde sein – sie ist ein Teil unseres beruflichen Ichs, sie kann eine gute Basis oder ein völliger Fehlgriff gewesen sein.

Wie viele berufliche Facetten stecken in Ihnen? Sind Sie mutig genug, diese zu entdecken, ihnen zu folgen? Welche für und wider sehen Sie in diesen neuen Möglichkeiten?