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Recruiting im Schneckentempo: Qualifizierte Kandidaten ziehen vorbei

Foto: Renate Franke/pixelio.de.

Foto: Renate Franke/pixelio.de.

Die meisten Bewerber erwarten innerhalb von 14 Tagen eine verbindliche Reaktion auf ihre Bewerbung. Eine aktuelle Datenanalyse der Berliner Recruitingspezialisten von softgarden aber zeigt: Aktuell brauchen Arbeitgeber mit 25 Tagen im Durchschnitt deutlich länger. Qualifizierte Kandidaten gehen so verloren.

Für die Analyse hat softgarden Datensätze von 141.000 Bewerbungen anonymisiert ausgewertet. Sie wurden im April über die gleichnamige E-Recruiting-Plattform abgewickelt und waren auf Ausschreibungen für rund 8.500 Vakanzen bei 1.000 Unternehmen eingegangen.

Langsame Reaktion auf Bewerbungen

Im Durchschnitt dauert es der Auswertung der Daten zufolge bis zur ersten persönlichen Kontaktaufnahme des Recruiters mit einem neuen Bewerber 25 Tage. Das entspricht nicht der Erwartungshaltung der meisten Kandidaten: Wie die Studie „Online-Recruiting 2014“ gezeigt hat, erwartet ein Großteil der Bewerber innerhalb von 14 Tagen eine Einladung zum Vorstellungsgespräch – oder eine entsprechende Absage.

Durchschnittliche „Time to hire“: 78 Tage

Von der Einladung bis zum ersten Bewerbungsgespräch vergehen anschließend im Durchschnitt weitere 18 Tage – in der Summe sind das vom Bewerbungseingang bis zum Interview 43 Tage, also rund eineinhalb Monate. Die durchschnittliche „Time to hire“, also die Zeit zwischen Jobausschreibung und Vertragsunterzeichnung, liegt bei 78 Tagen. In einigen Jobkategorien dauert der Prozess sogar noch wesentlich länger: Im Vertrieb sind es zum Beispiel 82, in der IT 97 und im Handwerk sogar 114 Tage.

Ein Drittel der qualifizierten Kandidaten sagt ab

Insgesamt sind Recruitingprozesse also noch deutlich zu langsam, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Kandidaten abspringen. Derzeit sagen 6 Prozent während des Bewerbungsverfahrens ab. Das klingt zunächst vielleicht nicht besonders beunruhigend. Allerdings sagen die Unternehmen selbst rund 82 Prozent der Kandidaten aufgrund mangelnder Eignung ab, so dass nur rund 18 Prozent der Bewerber überhaupt für eine Stelle in Frage kommen. Im Verhältnis machen die 6 Prozent Selbst-Absager also rund ein Drittel der qualifizierten Kandidaten aus.

„Gerade Unternehmen, die um Kandidaten ringen müssen, wie zum Beispiel wegen des Bedarfs an begehrten Zielgruppen, schwieriger Branchen oder Standortnachteilen, sollten daher in die Beschleunigung ihrer Bewerbungsverfahren investieren“, fasst Dominik Faber, Gründer und Geschäftsführer von softgarden, die Ergebnisse zusammen.