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Robot Recruiting: Roboter als Recruiter der Zukunft

Robot Recruiting: Roboter als Recruiter der Zukunft

Foto: StockSnap

Künstliche Intelligenz gewinnt in Unternehmen generell immer mehr an Bedeutung. Während in den USA bereits 95 Prozent aller Konzerne computergestützt rekrutieren, steckt das Robot Recruiting in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Die Veränderung des Einstellungsprozesses hin zur voll-elektronischen Steuerung ist eine wichtige Entwicklung in der Personalbeschaffung. Daher widmen wir uns heute dem Robot Recruiting: Was genau hat es damit auf sich? Wo liegen Chancen, wo Risiken für Unternehmen und Bewerber? Ist der Roboter etwa der Recruiter der Zukunft?

Was ist „Robot Recruiting“?

Robot Recruiting ist eine computergestützte Automatisierung und Unterstützung des Rekrutierungsprozesses in Unternehmen. Eine computerbasierte und standardisierte Bewerberauswahl sind zukunftsweisende Lösungen, um das Rekrutierungsmanagement effizienter zu gestalten. Ein wesentlicher Bestandteil des Robot Recruiting ist der Gebrauch von Big Data und Smart Data. Aus diesem „digitalen Fußabdruck“, also aus Daten, die ein Nutzer in verschiedenen Quellen im Internet hinterlassen hat, kann ein Persönlichkeitsprofil mit teilweise erschreckender Genauigkeit erstellt werden. Im Ergebnis tragen die Robots sämtliche frei verfügbaren Informationen über die gesuchten Experten so zusammen, dass ein repräsentatives Gesamtbild entsteht – ähnlich einem Lebenslauf. Der Recruiter sieht also nur, was der Kandidat im Web selbst von sich Preis gibt. Somit ist die Einhaltung deutscher Datenschutzrichtlinien garantiert.

Beim Robot Recruiting kommen auch Statistik Softwares zum Einsatz, die Bewerbungsunterlagen elektronisch analysieren und basierend auf vorher definierten Kriterien Erkenntnisse über einen Bewerber liefern. Beispielsweise erfolgt eine Überprüfung der Qualifikationen, Soft-Skills, Weiterbildungen oder Ausbildung der Kandidaten und das System trifft darauf basierend eine erste Vorauswahl. Ein Unternehmen hat im Voraus durch die Statistik Software ermittelt, welche Mitarbeiter besonders lange im Unternehmen arbeiten. Anschließend wurde untersucht, was diese Personen gemeinsam haben. All diese Kriterien gelten als wichtig, also sollten diese auch die neuen Bewerber mitbringen. Lediglich große Unternehmen können von einer elektronischen Selektion profitieren. Kleineren Unternehmen fehlt es hier an digitalen Informationen, da sie nicht auf die Masse von Daten zurückgreifen können, um sich ihre Wunschkandidaten per Mausklick zu erschaffen.

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Neben der Zusammenstellung, automatischem Einlesen und Abgleichung von Lebensläufen, was man als Parsing bezeichnet, können Robot Recruiter noch weitere hilfreiche Aufgaben übernehmen: Die Verteilung von Stellenanzeigen per Knopfdruck an bis zu 250 Jobportale, was sich Multi-(Job-)Posting nennt. Stellenanzeigen werden online optimiert, sodass sie mehr Resonanz bei der Zielgruppe erhalten. Durch ein sogenanntes Diversity-Programm werden Stellenangebote so umgeschrieben, dass Frauen erfolgreicher angesprochen werden. Personaler können täglich zu einem bestimmten Zeitpunkt per E-Mail einen frischen Satz an potentiellen Bewerbern erhalten, die auf ihre gesuchten Profile passen, ohne dass sie dafür etwas tun muss. Eine weitere Software macht Vorschläge, auf welche ihrer Jobs die Bewerberprofile passen würden oder welcher Kandidat über welchen Kanal angesprochen werden möchte. Diese Vorgehen nennt man Active Sourcing bzw. Matching-Software und beruhen auf Algorithmen.

Chancen und Risiken für Unternehmen

  • Der Bewerbungsprozess kann teilweise automatisiert werden und spart Unternehmen somit Zeit und Geld.
  • Der Matching Prozess durch den Roboter ist extrem präzise. Es wird ziemlich schnell klar, wer auf die vakante Stelle passen könnte und wer die Qualifikationen nicht erfüllt.
  • Das Risiko besteht, dass Topkandidaten vom System aussortiert werden, weil sie nicht dem Standard entsprechen.
  • Arbeitgeber, die sich durch datenbasierte Methoden wie aussortieren, statistisch bewerten und selektieren einen Namen machen, haben einen negativen Ruf – sie gelten als uninteressiert und kalt.

Vorteile und Nachteile für Bewerber

  • Durch die Standardisierung wird der Bewerbungsprozess vereinfacht, d.h. man muss sich keine großen Gedanken mehr um ein tolles Seitenlayout und ausgefallene Formulierungen für das Motivationsschreiben machen. Beim Roboter Recruiting zählen nur Zahlen, Daten und Fakten.
  • Der Roboter diskriminiert nicht, er fokussiert sich alleine auf die gesuchten Kriterien für Bewerber. Bewerber werden nicht anhand ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe oder ihrer Religion aussortiert. Weder das Aussehen, noch andere Faktoren wie Arbeitslosigkeit oder Vorstrafen eine Rolle.
  • Aufgrund von eigentlich geringfügigen Abweichungen vom Standardprofil besteht das Risiko, aussortiert zu werden.
  • Auch die Chance, durch Persönlichkeit, Motivation und Kreativität zu überzeugen, fällt bei dem gezielten Fokus auf Zahlen und Fakten weg. Durch Standardkriterien entsteht Sicherheit, aber keine Vielfalt, keine Abwechslung und keine Innovation.

Ausblick in die Zukunft

Robot Recruiting wird voraussichtlich nicht nur in der Kandidatensichtung, sondern auch im aktiven Recruiting eine immer wichtigere Rolle spielen – der Einzug der künstlichen Intelligenz in unsere Arbeitswelt wird sich immer mehr ergeben. Doch bleibt es zu hinterfragen, ob Robot Recruiting auch auf den höheren Ebenen des Bewerbungsprozesses effektiv ist – denn hier ist die menschliche Beurteilung unersetzlich. Faktoren wie Persönlichkeit und Sympathie, die mit entscheiden, welcher Kandidat wirklich auf die jeweilige Stelle, zu den Kollegen und in das Unternehmen passt, lassen sich nicht von einem Roboter berechnen.

1 Kommentar

  1. Eine furchterregende Entwicklung!
    Der gläserne Bewerber, der alle seine Spuren im Internet als Vorteil, aber eben auch als riesigen Nachteil sehen kann, wenn vor langer Zeit mal ein Ausrutscher passiert ist.

    Natürlich kann auch die Maschine mit diskriminierenden Kriterien gefüttert werden, also bleibt das Problem der Diskriminierung weiter bestehen!

    Es ist doch viel wichtiger wieder mehr das Menschliche in den Vordergrund zurücken. Die Persönlichkeit, die Charaktereigenschaften, die verbale und nonverbale Kommunikation/Körpersprache, den GANZEN Menschen zu betrachten.

    Mit dieser schlimmen Fokussierung auf hard skills, Qualifikationen, Ausbildungen wird alles sehr viel unmenschlicher und viele gute BewerberInnen werden den Unternehmen verloren gehen.

    Eine grausame Entwicklung!

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