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Setzen, sechs! Schlechte Zeugnisse für Chefs

Setzen, sechs! Schlechte Zeugnisse für Chefs

Foto: Pixabay.com

Führungs- und Fachkompetenz sowie Menschlichkeit und Motivationsvermögen: Mit solchen Eigenschaften sollten vorbildliche Führungskräfte aufwarten.

Doch diese Tugenden sehen nur wenige Arbeitnehmer in ihren Chefs. Gerade einmal 37 Prozent der Angestellten halten ihren direkten Vorgesetzten als „fachlich für den Job geeignet“, nur knapp jeder Dritte hält diesen für charakterlich qualifiziert.

Zu diesen Ergebnissen kommt die repräsentative Studie „Emotionale Führung am Arbeitsplatz“ der Personalberatung Rochus Mummert. Insgesamt wurden dazu 1.000 Arbeitnehmer in Deutschland befragt.

Chefs haben Nachholbedarf auf zwischenmenschlicher Ebene

Gerade auf zwischenmenschlicher Ebene scheint es bei vielen Chefs noch Nachholbedarf zu geben: Einer der wichtigsten Soft Skills, den eine Führungskraft beherrschen muss, ist, die Leistung seiner Mitarbeiter anzuerkennen und ein verlässlicher Ansprechpartner bei Problemen zu sein.

Doch nur jeweils ein Drittel der befragten Arbeitnehmer fühlt sich diesbezüglich gut aufgehoben. Darüber hinaus fühlen sich vier von fünf Befragten von ihren Chefs in ihrem beruflichen Fortkommen nicht gefördert.

Befehlston und Gehorsam immer noch traurige Realität

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Knapp die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland wünscht sich einen Vorgesetzten, der sie individuell fördert und die anfallenden Aufgaben sinnvoll delegiert – so wie ein Coach im sportlichen Umfeld. Im Arbeitsalltag ist eine solche Führungspersönlichkeit allerdings nur 23 Prozent der Arbeitnehmer tatsächlich vergönnt. Befehlende Chefs, deren Anweisungen nicht hinterfragt werden dürfen, sind unter Arbeitnehmern überaus unbeliebt.

Wie die Studie beweist, sind Gehorsam und Militärston in jedem vierten Unternehmen noch immer gang und gäbe. „Der befehlende, von den meisten Mitarbeitern abgelehnte Führungsstil ist noch immer traurige Realität in vielen Büros und Werkhallen“, weiß Dr. Hans Schlipat, Managing Partner der Rochus Mummert-Gruppe. Langfristig würden die unter Befehls- oder Ergebnisdruck erzielten Effekte allerdings verpuffen, ist er überzeugt.

Fortschrittliche Chefs in Betrieben noch unterrepräsentiert

Für die Implementierung nachhaltiger Veränderungen müsse ein Vorgesetzter seine Angestellten positiv motivieren. Dies sei allerdings nur bei Chefs möglich, die Mitarbeiter individuell fördern und ihnen somit helfen, ihre eigenen Ziele mit denen des Unternehmens zu verknüpfen und ihr Potenzial voll auszuschöpfen.

Befragte, bei deren Arbeitgeber insgesamt ein coachender Führungsstil vorherrscht, bewerten ihre Chefs am besten: 59 Prozent dieser Angestellten halten ihren Vorgesetzten uneingeschränkt für fachlich und etwa jeder zweite für charakterlich absolut geeignet. Über die Hälfte der Mitarbeiter bestätigen ihrem coachenden Chef darüber hinaus, ein zuverlässiger Ansprechpartner bei Schwierigkeiten zu sein.

„Der bei den Arbeitnehmern beliebteste und qualifizierteste Vorgesetzten-Typ ist in deutschen Betrieben leider unterrepräsentiert. Nicht einmal jeder vierte Beschäftigte arbeitet bei einem Unternehmen, in dem Coaching an erste Stelle steht“, so Schlipat. „Dabei hat nur ein emphatischer Manager nach Art eines Trainers das Potenzial, jeden Arbeitnehmer und damit den Erfolg des gesamten Betriebs langfristig positiv zu beeinflussen. Er handelt authentisch und holt den Einzelnen auch emotional dort ab, wo dieser gerade steht.“

Führungskräfte sollten sich selbst reflektieren und kritikfähig sein

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Trotz positiver Bewertungen müssen aber auch fortschrittliche Führungskräfte noch einiges lernen, zeigen die Ergebnisse der Studie: Nur knapp ein Drittel der Befragten aus Unternehmen mit einer coachenden Führungskultur ist der Ansicht, ihr Chef sei kritikfähig.

Diese Eigenschaft sollte allerdings jede Führungskraft besitzen, denn nur wer sich selbst reflektiert und konstruktive Kritik annimmt, kann dies auch von seinen Mitarbeitern einfordern. Im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld wird dieser Aspekt ohnehin immer wichtiger: Gerade der Anspruch, ständige Qualitätssteigerungen zu erreichen und der stetig wachsende Druck, Finanzmittel einzusparen, erfordert ein solches Handeln.