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Social Media: „Wer bei der Bewerbung auffallen will, braucht Mut!“

Wie Jobsuchende mit dem geschickten Einsatz von Social Media aus der grauen Masse an Bewerbungen hervorstechen können, weiß Trainer und Businesscoach Henryk Lüderitz

Trainer und Businesscoach Henryk Lüderitz

Das Studium oder die Ausbildung ist gerade beendet, die Lernerei und die Aufregung sind verflogen, da steht schon wieder das nächste Abenteuer an: der erste Job. Und schon drängt sich die Frage auf: „Wie bewerbe ich mich? Wie kann ich mich von tausenden anderen Bewerbern abheben?“ Ähnliche Gedanken machen sich natürlich auch erfahrene Fachkräfte, die sich nach vielen Jahren in einem Job beruflich neu orientieren möchten.

Mit welchen Techniken und Methoden Jobsuchende aus der grauen Masse an Bewerbungen hervorstechen können, weiß Trainer und Businesscoach Henryk Lüderitz. Er coacht Young Professionals sowie junge Führungskräfte und ist als Keynote-Speaker ein gern gesehener Gast auf Messe- und Kongressbühnen. Lüderitz ist vor allem davon überzeugt, dass der geschickte Einsatz von Social Media eine Bewerbung aufwertet und ihr eine deutlich größere Aufmerksamkeit verschafft.

Im folgenden Interview berichtet er von der Herausforderung, moderne und klassische Bewerbungsformen in Einklang zu bringen. Er erklärt, welche Rolle soziale Medien heutzutage im Bewerbungsprozess spielen und gibt Tipps, wie eine zeitgemäße Bewerbung aussehen könnte.

Herr Lüderitz, viele Jobsuchende bewerben sich immer noch am liebsten klassisch per Bewerbungsmappe. Ist das überhaupt noch zeitgemäß?

Wir stecken, was die Form der Bewerbung angeht, derzeit noch fest zwischen Stein- und der Neuzeit: Für die meisten Bewerber ist weiterhin das klassische Anschreiben mit tabellarischem Lebenslauf und Passbild Pflicht. Wir sind noch weit davon entfernt, dass Bewerbungen modern und frisch daherkommen – obwohl sich die Gesellschaft schon lange in diese Richtung bewegt. Ich hoffe, dass sich der Trend zu etwas aussagekräftigeren Bewerbungen und Jobprofilen im Laufe der nächsten Jahre stärker durchsetzen wird.

Auf was achten Personaler heute bei einer Bewerbung besonders?

Natürlich achten sie immer noch auf Standards: Das Anschreiben kurz und knackig, ein übersichtlicher Lebenslauf, dem der Personaler in Windeseile Ausbildung und Fähigkeiten des Bewerbers entnehmen kann. Viele Personaler bestehen noch auf klassische Bewerbungswege und die Jobsuchenden passen sich natürlich deren Vorlieben an. Mittlerweile trifft aber auch oft schon ein Computer eine Vorauswahl.

Welche Rolle spielen Social Media aktuell bei Personalverantwortlichen? Haben sich die Netzwerke überhaupt schon im Personalmanagement etabliert?

Wie Jobsuchende mit dem geschickten Einsatz von Social Media aus der grauen Masse an Bewerbungen hervorstechen können, weiß Trainer und Businesscoach Henryk Lüderitz

Auf diversen job and career-Veranstaltungen gab Henryk Lüderitz bereits sein Business-Know-how an andere weiter

Ganz klar, 25 bis 50 Prozent der Personaler checken die Social Media Profile ihrer Bewerber, zumindest die beruflichen Netzwerke. Gegoogelt wird auch fast immer. Also zumindest das ist in den HR-Abteilungen bereits angekommen.

Ausgereift ist die Social Media-Kompetenz vieler HR-Profis jedoch noch nicht – auch nicht die der Bewerber. Aber die Digitalisierung geht ja auch nicht von heute auf morgen vonstatten, sondern auch das ist ein Prozess, der Schritt für Schritt erfolgen muss. Beide Seiten, also Bewerber und Personaler, müssen Zug um Zug mit dem technischen Fortschritt mitgehen.

Glauben Sie, dass die klassische Bewerbung irgendwann aussterben wird?

Jein. Die Arbeitswelt unterliegt einem großen Wandel. Arbeitsnomaden und New Work liegen im Trend, die Arbeitsbedingungen der Zukunft ändern sich. Im Bewerbungsprozess muss sich für Unternehmen künftig noch stärker herauskristallisieren: Welche Kompetenzen finden wir bei wem?

Ich glaube, dass sich künftig Online Portale und Talent Pools, also eher virtuelle Tools, durchsetzen werden. Da geht auf jeden Fall noch viel mehr. Vereinzelt werden die klassischen Methoden sicherlich trotzdem noch eine Rolle spielen.

Also zählt heute eher ein Mix an klassischen und modernen Bewerbungspfaden?

An der klassischen Bewerbung kommt kaum einer vorbei, die machen heute noch 80 Prozent aus. Also würde ich einen Marketingmix daraus machen. Ein kurzes, prägnantes Anschreiben und ein übersichtlicher Lebenslauf sind Pflicht. Darüber hinaus würde ich auch in den sozialen Medien Präsenz zeigen, gerade auf beruflichen Plattformen. Zum Beispiel könnten sich Jobinteressierte bei XING in branchenrelevanten Gruppen aktiv einbringen. Da tummeln sich auch viele Personalverantwortliche und so wird ihre Aufmerksamkeit erregt.

Als Bewerber muss man sich immer klar machen: „Das Unternehmen ist mein Kunde. Was kann ich ihm bieten?“ Jobsuchende sollten entsprechend Werbung für sich machen. Wer nur eine 08/15-Bewerbung abschickt, fällt nicht auf.

Wer allerdings nicht gleich mit kunterbunten Unterlagen und einem Video loslegen möchte, kann auch ganz klein anfangen. Zum Beispiel mit einem moderneren Foto, weg vom klassischen Passbildformat. Heben Sie im Anschreiben die Besonderheiten Ihres Lebenslaufs hervor. Bringen Sie Ihre Hobbies mit ein, wenn sie zum Beispiel zeigen möchten, dass Teamfähigkeit kein Fremdwort für Sie ist. Das zeichnet ein Bild von Ihrer Persönlichkeit und zeigt, dass Sie über entsprechende Soft Skills verfügen. Damit heben Sie sich ab.

Wie können Bewerber soziale Medien geschickt in ihre Bewerbung einbinden?

Zusätzlich zu Anschreiben und Lebenslauf sollten Bewerber noch ein aussagekräftiges XING- oder LinkedIn-Profil erstellen. Machen Sie deutlich, welche Erfolge Sie bereits erreicht haben, welche Aufgaben sie bekleidet haben und welche Kompetenzen sie dabei eingesetzt haben.

Mischen Sie bei brancheninternen Diskussionen im Netz, auf Facebook oder bei Twitter mit und signalisieren damit Ihr Interesse sowie Ihr Know-how. Aber überlegen Sie sich gut, was sie preisgeben: Das Netz vergisst nicht. Alles was Sie in den sozialen Medien öffentlich machen, können Personaler zu Gesicht bekommen.

Wie wichtig ist berufliches Networking über Social Media heute?

Wie Jobsuchende mit dem geschickten Einsatz von Social Media aus der grauen Masse an Bewerbungen hervorstechen können, weiß Trainer und Businesscoach Henryk Lüderitz

Mit seinen Keynotes lockt Henryk Lüderitz regelmäßig ein breites Publikum an die job and career STAGE

Aus meiner Sicht riesengroß! Viele Jobs ergeben sich über Connections. Schauen Sie, wo sich Personaler Ihrer Branche tummeln. Die sozialen Medien bieten tolle Möglichkeiten zur schnellen Kontaktaufnahme und zum professionellen Austausch. Networking ist ohne Social Media gar nicht mehr vorstellbar. Jeder Jobsuchende sollte sich in alle Richtungen umschauen und überlegen: Wo sind Leute aktiv, die ich kenne und die mir vielleicht beruflich weiterhelfen können?

Was sollten Bewerber in sozialen Medien tunlichst vermeiden?

Ein No-Go sind natürlich beleidigende Kommentare, aber das sollte mittlerweile jedem bewusst sein. Die sind in der virtuellen wie realen Welt völlig fehl am Platz. Die Netiquette sollte zu jeder Zeit an jedem Ort gewahrt werden. Interessant könnte natürlich auch sein, wen oder was man liked, und welche Bilder man von sich veröffentlicht. Fotos von der letzten Party sind zum Beispiel mehr als unpassend. Die Risiken sind im Netz natürlich groß, daher kann ich verstehen, dass viele sich nicht darauf einlassen wollen. Aber wer die wichtigsten Regeln beachtet, kann eigentlich nichts falsch machen.

Wann werden sich die sozialen Medien als Bewerbungsplattform durchsetzen?

Da werden, schätze ich, noch fünf bis zehn Jahre ins Land gehen. Personaler müssen sich unbedingt mit den neuesten Bewerbungstrends auseinandersetzen. Denn um die besten Talente zu gewinnen, müssen die Unternehmen zeigen, dass sie up to date sind und mit ihren Anzeigen auffallen. Die junge Generation fordert von Ihren potenziellen Arbeitgebern mittlerweile einiges ein.

Doch auch Bewerber sollten mit der Zeit gehen und sich, was Bewerbungstrends angeht, stets auf dem Laufenden halten. Aktuell liegt den Personalern noch viel Einheitsbrei vor. Daher rate ich: Wer heute auffallen will, muss sich trauen, auch mal was anderes zu machen. Übertreiben Sie es nicht, aber seien Sie mutig. Nutzen Sie Farben und Marketingtechniken, denn schließlich geht es darum, Sie und Ihre Kompetenzen zu vermarkten!

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Charlotte Lisador.


Henryk Lüderitz, Diplom-Kaufmann (FH), ist Spezialist für die Entwicklung von Young Professionals und jungen Führungskräften. Er verfügt über 12 Jahre Management-Erfahrung bei einem führenden internationalen Mobilfunk-Konzern – hierbei mit mehr als acht Jahren in leitenden Positionen. Seit 2012 ist er selbstständig und hat aus Erfahrung und Leidenschaft eine Profession gemacht:

Im Rahmen von Seminaren, Einzel- und Gruppen-Coachings, Workshops, Vorträgen – sowie außergewöhnlich praxisbezogenen Trainings-on-the-Job – entwickelt er junge Talente zu Führungskräften und Leistungsträgern. Und das sowohl im unternehmensbezogenen Kontext – als auch in der unmittelbaren Zusammenarbeit mit Young Professionals.

Im Rahmen der job and career at HANNOVER MESSE 2016 spricht er heute ab 14:35 Uhr auf der job and career STAGE in Halle 17 darüber, wie Bewerber ihre Kreativität, ihr Selbstbewusstsein und ihr Können überzeugend in einer Bewerbung darstellen können.

1 Kommentar

  1. Farben und Marketing-Techniken einsetzen: Da bin ich absolut Ihrer Meinung, lieber Henryk Lüderitz!

    Nach wie vor fällt es vielen Bewerbern schwer, sich den Berg an Bewerbungen vorzustellen, mit dem HR-Mitarbeiter zu kämpfen haben. Wer daraus hervorstechen will, MUSS seine Bewerbung schon etwas anders gestalten.

    Freundliche Grüße
    Matthias Timm

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