Menü

Frauenquote in DAX 30-Unternehmen wächst

Frauenquote in DAX 30-Unternehmen wächst

Foto: Marius Boatca / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Der Gender Pay Gap und die zum Teil große Benachteiligung von Frauen in Bezug auf Positionen mit hohem Verantwortungsbereich sind deutschlandweit in aller Munde. Die laute Kritik ist scheinbar nicht unerhört geblieben:

In den mächtigsten Unternehmen Deutschlands tut sich etwas: Die diesjährige „DAX 30 – Aufsichtsratsstudie“ von Russell Reynolds Associates besagt, dass bereits 21 der 30 größten Aktionärsvertretungen die vom Gesetzgeber festgelegte Frauenquote erfüllen.

Frauenquote: Stärkster Anstieg aller Zeiten

Tatsächlich ist der Frauenanteil in Aufsichtsräten von 23,7 Prozent auf 28,7 Prozent um 5 Prozentpunkte gestiegen – laut Studie der stärkste Anstieg aller Zeiten. Im vergangenen Jahr wurden 39 Kapitalvertreter ersetzt, neu oder zusätzlich gewählt. 18 Frauen rückten in diesem Zuge nach und besetzen somit fast jeden zweiten (46 Prozent) der zu vergebenden Aufsichtsratsposten (2015: 39 Prozent).

Das bedeutet natürlich nicht, dass Frauen nun in allen Ebenen gleich behandelt werden – da ist noch einiges zu tun. Aber es ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

Aufsichtsrat-Ranking: Siemens auf Platz eins

Aus einer Durchschnittsbewertung der Aufsichtsratszusammensetzung hat sich für das Jahr 2016 die am deutschen Schulnotensystem orientierte Gesamtnote 2,4 (2015: 2,3) ergeben. Wie gut die Aufsichtsräte bezüglich ihrer „geschäftsrelevanten Erfahrung“, „Mandatslast“, „Diversität“ oder „Digitalkompetenz“ sind, hat die DAX-30-Studie anhand der biografischen Daten der Mitglieder analysiert.

Die Nummer eins im aktuellen Russel-Raynolds-Aufsichtsratsranking ist mit einer Gesamtnote von 1,6 der Aufsichtsrat des Technologiekonzerns Siemens. Mit einer Note von 1,9 folgt die Deutsche Bank, die sich im letzten Jahr Spitzenreiter nennen durfte. Den dritten Platz teilen sich mit einer 2,0 Adidas und Daimler. Im Vorjahr mit nur einer 2,3 bewertet, machte Daimler ganze 10 Plätze gut.

In deutschen Aufsichtsräten fehlen internationale Impulsgeber

Die Internationalität der Aufsichtsgremien ist im Vergleich zum letzten Jahr leicht zurückgegangen. Der Anteil nicht-deutscher Aufsichtsräte verringerte sich von 28 auf 27 Prozent – davon stammt allerdings jeder Dritte aus Österreich und der Schweiz.

„Das Thema Diversity darf bei der Besetzung von Aufsichtsratsposten nicht als das reine Erfüllen der gesetzlichen Frauenquote fehlinterpretiert werden. Mindestens ebenso wichtig sind die kulturelle Vielfalt und das Einbinden der internationalen Perspektive. Hier sind die DAX 30-Aufsichtsräte keinen Schritt weitergekommen“, so Jens-Thomas Pietralla, Managing Director bei Russell Reynolds Associates und verantwortlich für die „DAX 30-Aufsichtsratsstudie“. „Zwar sehen wir mittlerweile eine zunehmende operative Auslandserfahrung der Aufsichtsräte. Trotzdem ist es ein Armutszeugnis für die Exportnation Deutschland, dass kein einziges der im vergangenen Jahr neu besetzten Aufsichtsratsmitglieder aus Asien oder Südamerika und nur ein einziges jeweils aus den USA und Afrika stammt.“

Die positive Ausnahme in puncto Ausländeranteil ist Fresenius Medical Care mit 67 Prozent, gefolgt von Volkswagen und der Deutschen Bank mit je 60 Prozent sowie der Deutschen Börse mit 50 Prozent

DAX-30-Boards müssen in puncto Digitalkompetenz nachlegen

Digitale Kompetenzen sind bei Mitarbeitern modern ausgerichteter, vorrausschauender Unternehmen ein Muss. Doch selbst in der höchsten Chefetage besteht noch starker Nachholbedarf: In lediglich 37 Prozent der DAX 30-Aufsichtsräte sitzt mindestens ein Aufseher mit ausgewiesener Digitalkompetenz.

„Offensive Antworten auf die Herausforderungen der Digitalen Transformation und die damit verbundenen Disruptionen sollten auf der Strategieagenda oberste Priorität haben. Aber selbst wenn der Vorstand diese liefert, fehlt bei zwei Dritteln der von uns untersuchten Aufsichtsräte die profunde funktionale Fachkenntnis, um die vom Vorstand vorgelegte Digitalstrategie auf Augenhöhe hinterfragen zu können. Dieser Kompetenzmangel auf der Kontrollseite birgt erhebliche Brisanz für Deutschlands führende Konzerne“, so Dr. Thomas Tomkos, Managing Director und verantwortlich für das Deutschlandgeschäft von Russell Reynolds Associates. „Kombiniert mit der mangelnden Internationalität ist dieses eklatante Defizit bei den nächsten Aufsichtsratswahlen dringend zu adressieren. Sonst gerät die deutsche Wirtschaft in diesem erfolgskritischen Bereich gegenüber dem internationalen Wettbewerb ins Hintertreffen.“

VW-Aufsichtsräte büßen bei der Vergütung stark ein

Über die höchste Vergütung konnten sich im vergangenen Jahr mit durchschnittlich 316.000 Euro die Gremienmitglieder von BMW und Fresenius Medical Care freuen. Binnen eines Jahres ist Volkswagen vom ersten auf den letzten Platz abgerutscht. Der hohe Anteil variabler Vergütung, den der Konzern seinen Aufsichtsräten zahlt, sank aufgrund des Dieselskandals im Schnitt auf etwa 35.000 Euro Gesamtvergütung – im Vorjahr waren es noch durchschnittlich 489.000 Euro.

Frauenquote in DAX 30-Unternehmen wächst

Quelle/Infografik: obs / Russell Reynolds Associates