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Studie: Scheitern schafft Vertrauen

Studie: Scheitern schafft Vertrauen

Foto: Pixabay.com

Scheitern – ein Wort, das in der deutschen Arbeitswelt einem Tabu gleicht. Aus Angst zu versagen, neigen wir dazu, uns stärker unter Druck zu setzen als nötig und weniger Risiken einzugehen. Im Gegensatz zum amerikanischen Sprachgebrauch ist das Wort „Scheitern“ bei uns auch sehr negativ besetzt.

IT-Professionals scheinen da allerdings etwas zuversichtlicher zu sein. Eine Umfrage der Developer Week in Zusammenarbeit mit dem Medien- und Weiterbildungsunternehmen „Neue Mediengesellschaft Ulm mbH“, die im Zeitraum April bis Mai 2016 mehr als 200 IT-ler zu diesem Thema befragt hat, zeigt, dass diese Berufsgruppe ein hohes Vertrauen in Personen setzt, die schon einmal gescheitert sind.

Ganze 83,7 Prozent der Befragten vertrauen gescheiterten Kollegen oder Vorgesetzten eher als puren Erfolgsmenschen.

Scheitern unmittelbar mit Fortschritt und Wachstum verbunden

Deutsche IT-Professionals sind überzeugt, dass Deutschland einen lockereren Umgang mit dem Thema „Scheitern“ bitter nötig hat – vor allem aus Wettbewerbsinteresse. Misserfolg sollte als Teil eines Lernprozesses akzeptiert werden, der untrennbar mit Fortschritt und Wachstum verbunden ist.

Knapp 80 Prozent der IT-Spezialisten sind der Auffassung, dass die Angst vorm Scheitern die weniger große Innovationsfreude deutscher Gründer im Vergleich zu vielen anderen Ländern bedingt. Deutschland liegt bei den Unternehmensgründungen mit rund elf Prozent deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 15,1 Prozent.

Mentalitätswandel und mehr Selbstbewusstsein erwünscht

Studie: Scheitern schafft Vertrauen

Grafik: Developer Week 2016 – Umfrage zum Thema „Scheitern“ (www.developer-week.de)

Auch ein Vergleich mit den USA zeigt, dass deutsche Jungunternehmer sehr viel seltener Risiken eingehen als ihre amerikanischen Kollegen. Laut Deutschland-Bericht des Global Entrepreneurship Monitor (GEM)* haben nur 32,8 Prozent der Gründer in den USA Angst vor einer Pleite. In Deutschland sind es mit 46,4 Prozent fast die Hälfte.

Für 65,1 Prozent der Befragten wäre diesbezüglich ein Mentalitätswandel nach amerikanischem Vorbild absolut wünschenswert. Weitere 30,2 Prozent wünschen sich zumindest eine Annäherung daran.

Scheitern als Teil des Arbeitslebens akzeptieren

Misserfolg sollte als Teil des Arbeitslebens akzeptiert und nicht tabuisiert werden, sind sich die IT-Profis einig. Sie fordern außerdem, dass Arbeitnehmer, deren Projekte gescheitert sind, nicht mehr länger stigmatisiert werden sollten.

Studie: Scheitern schafft Vertrauen

Grafik: Developer Week 2016 – Umfrage zum Thema „Scheitern“ (www.developer-week.de)

Innovation ohne Risiko? Das ist unmöglich, sagen 85 Prozent der Befragten. Dies sollten Vorgesetzte, Kunden, Kollegen und Geldgeber endlich verstehen lernen.

Eine überwältigende Mehrheit (81,4 Prozent) stimmt darin überein, dass jeder eine zweite Chance verdient hat. Misserfolge seien nur dann verurteilenswert, wenn Fehler fahrlässig herbeigeführt (60,5 Prozent) oder vertuscht (84,2 Prozent) würden.

Die komplette Studie inklusive Grafiken steht hier kostenlos zur Verfügung.