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Wie kleinere Unternehmen im War for Talents punkten können: Interview mit Personalexpertin Silvia Ziolkowski

Die IT-Unternehmerin und Kommunikationswissenschaftlerin Silvia Ziolkowski ist heute als Unternehmercoach und Kerriere-mentorin erfolgreich.

Die IT-Unternehmerin und Kommunikationswissenschaftlerin Silvia Ziolkowski ist heute als Unternehmercoach und Karrierementorin erfolgreich.

Mit 25 war Silvia Ziolkowski schon Unternehmerin im männerlastigen Umfeld der IT- und Automobilindustrie und baute gemeinsam mit zwei Partnern ein international agierendes Softwarehaus auf. Nach vierzehn Jahren Einsatz in Geschäftsführung und Vorstand stieg sie aus, gründete ihr eigenes Beratungsunternehmen und absolvierte zusätzlich eine Ausbildung als Coach.

Ihre Vision: Kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Mut machen, etwas verrückt zu sein und groß zu denken, wenn es um die richtige Personalstrategie geht – ein Thema, über das sie auch in ihren Keynote-Vorträgen auf der PERSONAL Nord in Hamburg und PERSONAL Süd in Stuttgart spricht.

Im Interview mit uns erklärt sie, was KMU in die Waagschale werfen können, um sich im War for Talents gegen Großunternehmen durchzusetzen und wie sie es schaffen können, insbesondere im hart umkämpften MINT-Bereich die richtigen Mitarbeiter für sich zu gewinnen.

Frau Ziolkowski, viele KMU haben derzeit Mühe, offene Stellen zeitnah mit qualifizierten Fachkräften zu besetzen, vor allem im MINT-Bereich. Wie schätzen Sie die Problematik ein?

Es ist eine Herausforderung, aber kein neues Problem. Als IT-Unternehmerin kann ich mich noch gut an die Eröffnungsrede von Kanzler Schröder im Jahr 2000 auf der CeBIT erinnern, als er vereinfachte Visaverfahren für Computerspezialisten nach dem Vorbild der US-amerikanischen Green Card ankündigte. Schon damals ging es darum, wie für ausländische IT-Fachkräfte und weitere MINT-Experten das Arbeiten in Deutschland attraktiver gemacht werden kann. Das Thema verschärft sich vor allem aufgrund der demografischen Entwicklung.

Haben die Unternehmen demnach im Recruiting geschlafen oder ist der Fachkräfteengpass schlichtweg in der Marktsituation begründet?

Beides, die Marktsituation im MINT-Umfeld ist schwierig. Die jungen Menschen drängen oft ins Ausland oder in die großen Metropolen, weil sie das spannender finden als zum Beispiel in einer nordhessischen Kleinstadt ihre Karriere zu starten. Aber die Unternehmen schlafen teilweise schon auch. Dass ich das einfach so behaupte, ist vielleicht etwas keck. Denn gerade KMU sind oft sehr stark in ihr Tagesgeschäft eingebunden. In der „Zuvielisation“, in der wir leben, werden Mitarbeiter von der E-Mail-Flut überrollt und dann kommt noch die Globalisierung hinzu. Das Tempo, mit der wir als Einzelperson und als Unternehmen reagieren müssen, hat sich extrem beschleunigt. Aber gerade deshalb ist es wichtig, sich mindestens einmal im Jahr Zeit zu nehmen, um mit der Führungsgruppe über die Zukunft nachzudenken. Das versäumen viele Betriebe.

Inwiefern hat dies etwas mit Personalgewinnung und Arbeitgeberattraktivität zu tun?

Unternehmen können bei qualifizierten Bewerbern vor allem mit ihrer Werteorientierung punkten, die sie nach außen tragen und nach innen leben. Dabei sollten Unternehmen auch bei der Mitarbeiterauswahl beachten, was ihnen wichtig ist. Mitarbeiter müssen zum Betrieb passen – egal ob das Unternehmen eher sicherheitsorientiert ist oder als kreatives Start-up nach vorne gehen will. Wichtiger als Talent ist es für KMU, dass die Mitarbeiter Lust auf die Arbeit im Unternehmen haben. Dafür braucht man aber eine klare Vorstellung davon, wie die Unternehmensvision aussieht.