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Wie kleinere Unternehmen im War for Talents punkten können: Interview mit Personalexpertin Silvia Ziolkowski

Können Sie ein Beispiel dafür nennen?

Es geht dabei um das große Bild der gelungenen Zukunft oder den Traum des Unternehmers. Dieses sollte vorstellbar und leidenschaftlich sein, so dass es sich auch transportieren lässt. Ich denke da zum Beispiel an ein klassisches mittelständisches Unternehmen, das Treppenlifte produziert. Deren Vision ist es, die Menschen im Alter beweglich zu machen, älteren Menschen Flexibilität zu schenken. Wenn man dann weiterdenkt, lassen sich davon auch Innovationen für Treppenlifte und Ziele für die Zielgruppen ableiten. Die Unternehmensvision sollte immer Emotionen auslösen, nur dann hat sie Mitmachpotential. Wenn es lediglich vernünftig klingt, holen Sie damit niemand hinter dem Ofen hervor. Das Ziel ist aber, dass viele Menschen Lust bekommen, sich dafür einzusetzen.

Für wie wichtig halten Sie Employer Branding im Mittelstand?

Es kommt darauf an, was Unternehmen darunter verstehen und wie sie es betreiben. Aber wo ist denn die Wurzel von Employer Branding? KMU punkten durch ihre Individualität, im Idealfall durch die Unternehmerpersönlichkeit. Ganz oft finden wir im Mittelstand Familienunternehmen: Der Gründer oeder die Gründerin hat irgendwann aus einer Leidenschaft oder einer Idee heraus das Unternehmen aufgebaut und teilweise schon bis in die nächste Generation geführt. Employer Branding als reines Marketing-Tool greift jedenfalls zu kurz.

Sie plädieren also für Personal Branding der Geschäftsführung?

Gerade die Mittelständler haben oft eine personifizierte Marke. Früher war das für Unternehmen noch etwas selbstverständlicher. Nehmen Sie zum Beispiel Anton Kathrein, der die Parabol-Satellitenschüsseln erfunden hat, oder einen Max Grundig. Um aus der Masse der Kleinunternehmen herauszustechen, muss man sich schon zeigen. Employer Branding kann das gut unterstützen.

Mitarbeiter wünschen sich heute mehr Partizipation und Sinnhaftigkeit. Wie kann der Mittelstand durch die Art der Führung punkten?

Der Mittelstand ist bei dem Thema eindeutig im Vorteil. Wenn ich als junger Mensch ein Unternehmen suche, in dem ich selbstbestimmt arbeiten und mich einbringen kann, dann ist das in einem kleinen oder mittelständischen Betrieb sehr viel leichter möglich als in einem Konzern. In Großunternehmen gibt es bestimmte Regeln, an die man sich zu halten hat, wenn man erfolgreich sein möchte. Da geht es eher darum, den Aktionären zu dienen und die sind oftmals große Flexibilitätsbremsen.