Menü

Wie kleinere Unternehmen im War for Talents punkten können: Interview mit Personalexpertin Silvia Ziolkowski

Wie schätzen Sie die Bereitschaft der Führungskräfte in KMU ein, in Zukunft demokratischer zu führen und mehr Mitbestimmung der Mitarbeiter zuzulassen?

Da gilt es zu unterscheiden: Mittelstand ist nicht gleich Mittelstand. Bei den kleineren Unternehmen ist Augenhöhe oft selbstverständlich. Da arbeitet man partnerschaftlich miteinander und findet den besten Platz für jeden im Haus. So können sich Mitarbeiter sehr schnell zu Experten entwickeln, wenn sie es in einem bestimmten Bereich besonders gut drauf haben. Das gilt gerade für jüngere Unternehmen, die damit groß geworden sind und diesen Ansatz deshalb eher parat haben. Bei den etablierten, alteingesessenen Unternehmen kommt es darauf an, welche Führungstypen dominieren. Da gibt es immer noch Führungskräfte oder Inhaber, die patriarchalisch führen. Solche Führungspersönlichkeiten werden sich mit Demokratisierung immer schwer tun.

Grundsätzlich wird das Thema gerade aber auch zu sehr gehypt. Augenhöhe ist wichtig, aber nicht alles. Wenn ich eine Führungskraft habe, die etwas nach vorne bringen will und die Mitarbeiter ziehen nicht mit, dann hilft auch Augenhöhe nichts. Da zählt das Ziel des Unternehmens vor dem des Einzelnen.

Welche Wege der Personalbeschaffung halten Sie gerade im Mittelstand noch für erfolgversprechend?

Mir fällt immer wieder auf, dass sich viele nicht trauen, Mitarbeiter selbst auszubilden. Doch gerade das halte ich für den Königsweg schlechthin, insbesondere wenn ein Unternehmen an einem wenig attraktiven Ort ansässig ist. Dann ist es sehr wertvoll, jungen Leuten in Ausbildung oder im dualen Studium eine Perspektive zu geben – vor allem, wenn sie in der Gegend verwurzelt sind und ansonsten fortziehen müssten.

Warum trauen sich so wenige Unternehmen zu, Ausbildungsbetriebe zu werden?

Da höre ich zum Beispiel oft das Argument, „um die Auszubildenden zu betreuen, muss ich einen Mitarbeiter als Ansprechpartner abstellen“. Aber das ist ein Denkfehler. Schließlich müssen Sie jemanden, der bereits eine fertige Ausbildung mitbringt, ebenfalls einlernen, wenn er das Geschäft verstehen und sich wohlfühlen soll. Man weiß natürlich oft nicht, worauf man sich bei Auszubildenden einlässt. Aber ich habe in meiner Zeit als Geschäftsführerin sehr gute Erfahrungen mit dem Ausbildungsbetrieb im eigenen Haus gemacht. So mancher Mitarbeiter, der als Azubi zu uns kam, ist heute noch im Unternehmen.

Frau Ziolkowski, wir danken für das interessante Gespräch.

Click to tweet: Wie kleinere Unternehmen im War vor Talents punkten können: Interview mit Personalexpertin Silvia Ziolkowski